INTEGR-ISMUS: Grundhaltung des Annehmens und Erkennens (Teil 1)

Schöpfende: Yannick Bennesch und Rebecca Wenk.

Lesezeit circa 9 Minuten.

Zu musikalischen Untermalung: Klicke im Stream auf „Play“ und dann nach deinem Empfinden auf eine individuelle Stelle. Es wird genau die richtige für dich sein…

Zur Einführung

Als diese Schrift geschrieben worden ist, ist ein 26.ter März gewesen. Wir* zählen wahrscheinlich beide das 2017.te Jahr nach Christus, weil die Zeitrechnung unserer Kultur auf der Grundlage der christlichen Religion entstanden ist. Die Schöpfungsgeschichte in der Bibel beginnt mit der Geburt von Jesus Christus. In dieser Zeitrechnung liegen die ersten sechzehn Jahre des dritten Jahrtausends hinter uns und das Siebzehnte ist vier von dreizehn Mond-Zyklen jung. Vor ein paar Tagen, dieses Jahr am 20.ten März, ist Tag- und Nachtgleiche (Frühlingsanfang) gewesen. An so einem Tag ist die Nacht genau so lang wie die Nacht. Seitdem verlängern sich die Tage wieder, während gleichzeitig die Nächte kürzer werden.

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Du hast diese Seiten in deinen Händen und hast dich somit dazu entschieden, das Geschriebene zu lesen. Es ist also dein Jetzt gekommen, um für dich selbst zu erkennen und für dich selbst anzunehmen, dass die Welt, die du als ausserhalb deines Körpers wahrnimmst, direkt mit deinen gegenwärtig lebendigen individuellen Einstellungen und Haltungen verbunden ist. Was und wie Menschen ihre äussere Welt wahrnehmen, ist in seinem Wesen auch natürlich entstanden, wird allerdings durch die individuellen Haltungen und Einstellungen eingefärbt und lenkt unsere Aufmerksamkeit. Der bis heute von unzähligen anderen Menschen in unseren äusseren Welten erfasste und kommunizierte Gesamtzustand unseres Lebensraums Erde und seiner fortschreitenden Entwicklung als Beispiel ist direkt mit den gegenwärtig in einem selbst lebendigen individuellen Einstellungen und Haltungen verbunden.

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Die Welt, die Ich als ausserhalb ihres/seines individuellen Körpers wahrnimmt, stellt „man“ (alle) sich in unserer westlichen Kultur gewöhnlicher Weise als eine objektiv vorhandene Welt vor, die wir auch mit einem lateinischen Fremdwort bezeichnen können. Wir nennen die Welt dann das „Universum“. Wir nehmen für gewöhnlich an, dass wir alle nebeneinander in diesem Universum auf der Erde leben.

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Doch diese, gegenwärtig als von Subjekten unabhängig existierend wahrgenommene, objektive Welt, kann genau so gut als von Subjekten wechselseitig verbunden wahrgenommene Welt angenommen und anerkannt werden. Das bis heute von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erfasste Gesamtbild unserer Erde ist dann neben seinen natürlichen und scheinbar objektiven Wurzeln auch ein Spiegelbild der Summe aller individuellen und subjektiven Grundeinstellungen und Grundhaltungen sowie der daraus resultierenden Gefühle, Gedanken, Handlungen und Folgen jedes Einzelnen und jeder Einzelnen.

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Das Böse und Schlechte, dem ein Ich in ihrer/seiner Aussenwelt Aufmerksamkeit schenkt, stellt auf der Grundlage der oben beschriebenen Annahme, in einem übertragenen Sinn auch ihre/seine individuelle Spiegelung ihrer/seiner inneren Welt dar und weist ein Ich auf individuelle Herausforderungen an, die für weiteres inneres Wachstum gemeistert werden können. Sie tarnen sich insbesondere am Anfang eines individuellen Entwicklungsvorgangs häufig als scheinbar unüberwindbare Probleme und Hindernisse, während sie gleichzeitig, nur eben anders betrachtet, auch als überwindbare Herausforderungen und Aufgaben erscheinen können und als solche erkannt werden können. Hinter ihnen verbergen sich in beiden Fällen Möglichkeiten zusätzliche Kräfte hervorzubringen. Ich habe mir deshalb angewöhnt, mich mit Dingen, Vorgängen und Zusammenhängen bewusst zu konfrontieren, insbesondere dann, wenn sie mir als Widerstände erscheinen, denen ich spontan ausweichen möchte.

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Unsere Vorfahren haben bis zu uns heute mehrere tausend Jahre mit unzähligen Kriegen verbracht. Bis jetzt scheint die westliche Kultur eine Kultur des Gegeneinander  und der ungelösten, unbewältigten Erinnerungen zu sein. Wer sich einige Jahre Zeit nimmt und vorher ihren/seinen Geist auf Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten hin selbst bespricht, kann in Büchern von früheren Denkern und Schreibern nachlesen und wird auf diesem Weg früher oder später zu der Erkenntnis gelangen, dass wir bis heute  im Allgemeinen immer wieder Strategien der Vermeidung angewendet haben und noch immer zur Anwendung bringen. Dies tun wir im Kleinen, bei uns Zuhause in unseren Familien, und dies tun wir ebenfalls im Großen, in unserem globalen Zusammenleben. Ein Ich hat zwar heute in unserer Kultur die mannigfaltigsten Möglichkeiten, sich Fertigkeiten und Wissen anzueignen und auf diese Weise bewusst zu werden, doch Ich hat heute ebenso viele Möglichkeiten, sich mit Ablenkungen aller Art und für jeden Geschmack davon abzuhalten, Bücher zu lesen, aufmerksam und achtsam zu zuhören oder bewusst in ihren/seinen inneren Dialog mit sich selbst zu treten, um sich weiterer Fähigkeiten und weiteren Wissensinhalten bewusst werden zu können, für sich neue Fertigkeiten und Wissensbereiche zu erschließen und den eigenen bewussten Geist auszudehnen.

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Wer heute mal einige belesene und vermögende Menschen fragt, welche Zivilisationsform die beste sei, der wird in vielen Fällen die Antwort bekommen, dass der im gegenwärtigen Kapitalismus zum Ausdruck kommende Individualismus die beste existierende Möglichkeit zur Gesellschaftsorganisation sei, die wir bisher hätten. Und in einem gewissen Sinn hat ein Mensch, der diese Antwort gibt, damit auch Recht: beachten wir nämlich nur die Geschichte, die heute als allgemein gültige, objektive Wahrheit anerkannt ist, so sehen wir eine Zivilisationsgeschichte der Menschheit, die in westlichen Geschichtsbüchern häufig mit ägyptischen Herrschergöttern beginnt, über griechische Götter und gottähnliche Herrscher, über Könige und geistliche Führer im Absolutismus, weiter über die unterschiedlichen Prägungen des Christentums bis zur heutigen, übermächtigen, wissenschaftlichen Wahrheit führt. „Der Russe“ bekommt in vielen Büchern stets die gleiche Bemalung. Er sei das Böse in Person und verkörpere den Feind, den Kommunismus. Diese gesamte Geschichte spiegelt eine Geschichte der Männer, des Kampfs und des Kapitalismus wider. Erste Währungen sind bereits vor mehr als 2.500 Jahren entstanden, als der Handel im Mittelmeerraum florierte und der Tauschhandel die Menschen vor immer größere Schwierigkeiten beim Tauschen stellte.

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Heute leben wir in einer auf vielfältige Weise global vernetzten Welt. Die Finanz- und Handelsströme sind global geworden und auch die Kommunikationstechnologie spielt sich heute im „World Wide Web“ (www) ab. Das bringt viele neue Möglichkeiten mit, die unsere Lüste anregen. Das heißt aber auch, wir können die Auswirkungen und Folgen unseres jeweils individuellen Fühlens, Denkens und Handelns, in der Summe aller Menschen auf unsere Erde als Ganzes und auf jeden Menschen, jede Pflanze, jedes Tier und jedes Mineral erfassen und kommunizieren.

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Den Kommunismus haben unsere Vorfahren in anderen Regionen unserer Erde ausprobiert, so wie wir in unserer Kultur den Individualismus bis heute auf seine Spitze getrieben haben. Und immer wenn eine grundlegende Neuerung, also eine wirkliche Änderung, stattgefunden hat, kam eine Strategie zur Anwendung, die darin bestand,  von nun an das Andere konsequent zu vermeiden und dagegen zu sein. So wird einer heute schnell in eine Kommunismus-Ecke gedrängt, wenn er sich für mehr Gemeinschaftsorientierung in der Gesellschaftsgestaltung oder für die Enteignung von Superreichen ausspricht. Das kann allerdings auch passieren, wenn einer sich deutlich gegen den heutigen kapitalistischen Individualismus ausspricht oder klarstellt, dass unser gegenwärtiges kapitalistisch-individualistische Gesellschaftssystem seinen Ursprung in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika hat.

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Ich mache einen anderen Vorschlag und male ihn im Folgenden für euch aus. Ich bezeichne ihn als „Integrismus“. Bei der Geisteshaltung des Integrismus geht es um eine grundlegend andere Herangehensweise an das Leben, sich selbst, uns alle und unsere Mitwelten heranzugehen. Es ist dafür notwendig, im Wesentlichen eine alte Handlungsgewohnheit abzulegen und durch eine Neue zu ersetzen. Dies ist die Gewohnheit, zu versuchen, alles und jedes zu vermeiden, was wir früher bereits als „schlecht“ bewertet haben.

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Ich beschreibe mit dem „Integrismus“ eine geistige Grundhaltung, die es einem Ich ermöglicht, anstelle der Vermeidungsstrategie von nun an die Strategie des Einfügens (Integrierens) anzuwenden. Das Wort „Integrismus“ ist vom Lateinischen „integrare“ abgeleitet, was soviel bedeutet wie „wiederherstellen, erneuern“ und wird durch die Endung „-ismus“ ergänzt. Durch diese Endung wird angezeigt, dass es sich hierbei um eine bestimmte Geisteshaltung und  gleichzeitig auch eine politische Richtung handelt. Im Englischen würde von einem neuen „mind set“ gesprochen und gemeint ist damit ein Satz an grundlegenden Geisteseinstellungen, die deutschsprachigen „homo sapiens“ die Möglichkeit geben, sich von ihren altgewohnten Geisteshaltungen zu lösen und durch einen anderen Satz an Geisteseinstellungen zu ersetzen.

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Wir = Wenn ich von „wir“ spreche, meine ich damit entweder dich und mich oder jede und jeden gegenwärtig seienden „homo sapiens“ auf unserer Erde. Damit bilde ich das Kontinuum, zwischen höchstem/größten menschlichen Wir und dem Zweitkleinsten menschlichen Wir (Du — Ich; Ich — Du). Das kleinste Wir besteht aus dem Ich und meiner selbst, das auch als Ich und Selbst(-BeobachterIn) beschrieben werden kann.

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An: die junge Generation

Liebe Menschen, liebe junge Mitmenschen,

dieser Artikel richtet sich gezielt an junge Menschen. Damit gemeint sind alle zwischen 16 und 36 Jahren. Wir als junge Generation stehen gegenwärtig vor der wohl größten Herausforderung vor der je eine junge Generation stand. Wir werden von unseren Vorfahren gezwungen Verantwortung für etwas zu übernehmen, für das wir im Grunde genommen keine Verantwortung tragen.

Unser aller Lebensgrundlage, die Luft, das Wasser und der Erdboden, werden durch die Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme der westlichen Zivilisationen zunehmend in Mitleidenschaft gezogen. Das kollektive Handeln der Menschheit belastet die Ökosysteme schon seit Jahren in einem Maß, das weit über die Regenerationskapazitäten hinausgeht. An immer mehr Orten rund um unsere Erde wird das Überleben für Menschen, Tiere und Pflanzen zunehmend schwerer. Dabei geht es nicht mehr bloß darum einige der Annehmlichkeiten zu verlieren, die unsere Vorfahren uns hinterlassen haben und hinterlassen. Es geht vielmehr um unser nacktes Überleben als menschliche Spezies und das Überleben unzähliger Tier- und Pflanzenarten. Das rasante Artensterben beschleunigt sich immer schneller. Schon in 1950er Jahren fand die erste Konferenz der Vereinten Nationen statt, die vorhersagte, wohin die Entwicklung der Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme führen würde. Zum Besseren gewendet hat sich seitdem nur scheinbar etwas. Das vorherrschende Motto scheint bis heute eines zu sein: Wachstum, immer mehr Wachstum. Aber wohin und womit stellt sich vielen jungen Menschen die Frage und vor allem auch wozu.

Das hier sollt keine Schwarzmalerei darstellen und ich, Yannick Bennesch, möchte diesen Artikel auch nicht mit diesen Worten beenden. Es ist längst nicht alles verloren. Es ist jedoch an der Zeit, dass wir uns eingestehen, welche Herausforderungen sich uns vorstellen und vor allem ist es an der Zeit, dass wir als junge Generation, die noch keine Kinder auf unsere Erde gebracht haben, erkennen, dass es an uns ist, Verantwortung für den notwendigen Wandel zu übernehmen, auch wenn wir die gegenwärtigen Zustände unserer Ökosysteme nicht verursacht zu haben scheinen. Wir sind alle in Welten hineingeboren worden, die erfüllt waren von menschengemachten Systemen und Institutionen, die auf einer Ideologie des ewigen Wachstums und der Herrschaft über andere gegründet sind.

Das klingt erst einmal wenig ermutigend, doch all das sind nicht nur Probleme. Vor allem auch sind es Möglichkeiten für uns als junge Generation zu Gestaltern unserer Erde zu werden und Verantwortung zu übernehmen, die unsere Vorfahren von sich wiesen und auf Politikerinnen und Politiker geschoben haben. Es ist Zeit aus dem Kinderwagen auszusteigen, in dem ganze Generationen von Vorfahren sitzen geblieben sind und darauf gehofft haben, andere würden es richten. Wie wir heute klar erkennen können, war es ein Trugschluss darauf zu hoffen.

Wir müssen es selbst in die Hand nehmen und aufhören den Regeln zu folgen, die „man“ uns vorsetzt. Wir müssen konsequent die alten Konventionen und Regeln brechen, um unsere Gesellschaftsorganisation grundlegend neu zu fühlen, neu zu denken und neu zu gestalten. Wir können das. Ich habe vollstes Vertrauen in unsere Generation und in unsere Fähigkeiten. Wenden wir uns einander zu, lernen wir von- und miteinander, teilen wir Fähigkeiten und Fertigkeiten, tauschen uns aus und beginnen wir eine Neue Erde herbeizuführen.

Lieben Gruß

Yannick