Schlecht — SEIN/IST — Gut

Circa 6 Minuten Lesezeit

Glaubst du, dass wir in einer Welt, einem Universum leben? Glaubst du, dass es „die Welt“ gibt? Glaubst du, dass es eine von Menschen unabhängige Wirklichkeit gibt? Glaubst du, dass du ein winzig kleiner Mensch im Verhältnis zu einem riesengroßen Universum bist? Fühlst du dich ohnmächtig oder mächtig? Glaubst du, dass du die Welt nicht verändern kannst?

Wenn du all das glaubst, dann glaubst du bestimmt auch, dass es gute und schlechte Dinge, Vorgänge und Zusammenhänge gibt, richtig? Du glaubst bestimmt, dass Krieg etwas schlechtes ist, oder? Du glaubst bestimmt auch, dass ich glaube, dass diese Streifen hinter den Flugzeugen, von denen ich in letzter Zeit viel schreibe und spreche, etwas schlechtes sind, richtig?

Dann muss ich dich allerdings enttäuschen. Für mich sind sie nicht gut und nicht schlecht, denn ich bin mir bewusst, dass es auf die Grundannahme ankommt, von der ich ausgehe, damit sie gut oder schlecht erscheinen. Ich erzähle dir einfach mal, wie das ist.

Wenn ich davon ausgehe, dass ich gezielte Bevölkerungsdezimierung befürworte, dann sind diese Streifen, in denen dann hoffentlich schon diese gesundheitsschädlichen Metalle sind, nämlich etwas gutes. Denn sie sorgen dann dafür, dass die Menschheit von der Anzahl her weniger werden wird. Dann kann ich nämlich in meinem Wohlstand einfach weiterleben ohne zu verzichten.

Wenn ich davon ausgehe, dass ich gezielte Bevölkerungsdezimierung nicht befürworte, dann sind diese Streifen etwas schlechtes, sollten da bereits gezielt diese Metalle zugefügt worden sein, denn dann würden sie langfristig zu einer gezielten Bevölkerungsdezimierung führen. Das wiederum würde dann bedeuten, dass einige Menschen, die für das Zufügen verantwortlich sind, das Ziel verfolgen einen Teil der Menschheit durch Gesundheitsschäden auszurotten. Wenn ich dann jedoch einer von denen bin, der diese Dezimierung angeleiert hat, finde ich sie wieder gut.

Was für ein geiles Spiel oder? Alles nur eine Frage der Perspektive. Deshalb sage ich dir. Ich mache nur auf das aufmerksam, was ist. Ob das gut oder schlecht ist, entscheidest du für dich selbst. Für mich gilt: das ist. Und deshalb erfasse ich das, was ist. Und wenn wir belogen werden, dann ist mir egal, warum wir belogen werden. Es ist für mich aus meiner wissenschaftlichen Perspektive nur interessant, ob es gemacht wird. Und für mich hat es nach all meinen Recherchen den Anschein als wäre etwas geschehen. Entweder wurde den Treibstoffen in den letzten Jahrzehnten ein Additiv zugefügt, in dem diese Metall enthalten sind oder sie stammen als Abrieb aus den Triebwerken. Für mich ist aber vor allem interessant zu erfahren, warum die Streifen wirklich stehen bleiben und warum es so viele Menschen gibt, die glauben, dass wir ausgerottet werden sollen. Denn darauf läuft die Angst vieler Menschen ja scheinbar hinaus. Und dann interessiert mich noch, wie es sein kann, dass Menschen mit gesundem Geist, zumindest behaupten sie das von ihrem Geist, sich mit dieser Thematik einfach strikt nicht auseinandersetzen wollen und deshalb zu unglaublich krassen Methoden greifen, um Andersdenkende niederzubügeln. Und das mit vollkommen schlechten Argumenta-tionen, die in den meisten Fällen nicht einmal Argumente enthalten. Totschlag-argumente sind ein beliebtes Mittel der Flugzeugenstreifenleugner. Und das erschreckt mich dann doch manchmal ein wenig. Dass „man“ mit diesen Menschen kein Stück sachlich sprechen kann, obwohl sie immer wieder diejenigen sind, die dann nach Beweisen schreien, wenn „man“ ihnen etwas vor Augen führt, was sie selbst verdrängt haben oder verleugnen.

Mich langweilen diese Art von Menschen einfach. Sollen sie doch wenigstens mal selbst ein Buch lesen, bevor sie klugscheißern. Aber nein, sie käuen ein aufs andere Mal die Argumente aus der Leierkiste oder der Klatschpresse nach. Das ist zum Mäuse melken. Da frage ich mich, ob das die gleiche Art ist wie ich.

Wir wenig Ruhe müssen diese Menschen für sich selbst gehabt haben. Ihr Verstand scheint sie niemals in Frieden zu lassen. Denn wer auch nur einmal wirklich im Jetzt eingekehrt ist, wird umgehend erkennen, dass das alles nur seine eigene Abstraktion von etwas ist, dass unsprachlich, unwörtlich ist. Und dieses Etwas, das Leben, die lebendige Welt, in der sich jede und jeder einelne wiederfindet, ist unendlich. Ja, dieses Etwas ist ewig. Und es ist niemals gut und nicht schlecht. Das sind doch nur Worte. Die haben sich Menschen ausgedacht. In der allem zugrundeliegenden Wirklichkeit gibt es kein gut und schlecht. Da ist nur Sein. Und dieses Seins kann ich mir als Mensch bewusstwerden. Oder ich kann mich mit „Brot und Spielen“ bis ans Ende meines kleinmenschlichen Lebens ablenken. Wie arm-selig und genau für solche Menschen ist dieses Wort. Arm-selig. Du bist arm-selig, wenn du nicht kapierst, dass der Sinn des Lebens Bewusstwerden ist. Du bist arm-selig, denn du bist auf deinen Verstand reduziert. Du glaubst, dass du deine Gedanken bist, dein Körper und das dein Geist in deinem Kopf entspringt und an ihn gebunden ist. Was für ein Quatsch. Wach auf. Wir sind erwachende Götter und Göttinnen. Jede und jeder einzelne. Und auch die Luft, die Abgase der Flugzeuge sind Gott. Auch das Meer und die Pflanzen und die Tiere sind Gott. Und was du als schlecht bewertest sind deine inneren Projektionen. Das sind deine Baustellen, an denen du wachsen kannst. Über dich selbst hinauswachsen kannst.

Peace. Tue es!

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Objektive Realität

Schöpfer: Yannick Bennesch.

Lesezeit circa 4,5 Minuten.

Mit dem Begriff „Objektive Realität“ bezeichne ich die Annahme einer unabhängig von Subjekten existierenden Welt oder Wirklichkeit. Ein Weltbild, das auf dieser Annahme aufbaut, ist ebenso monotheistisch wie das christliche Weltbild.

„Die Wahrheit“ stellt dann lediglich ein neues Wort für „Gott“ dar.

Wer eine „Objektive Realität“ glaubt, dessen Welt ist schwarzweiß.

Unser kulturell geprägtes Weltbild

Wie steht es mit meinem Weltbild? Wie steht es mit deinem Weltbild? Leben wir in unserer Kultur in einem Weltbild, dem die Annahme einer objektiven Realität zugrunde liegt?

Wenn wir den Gesprächen lauschen, denen wir in unserem Alltag begegnen, können wir erkennen, wie selbstverständlich wir beispielsweise über „die Welt“, „das Universum“ oder „das Leben“ sprechen.1 Immer reden wir so als würden wir von „der Welt“ sprechen. Unter der Bedingung, dass jeder Mensch seine innere Welt in die äußere Welt projeziert, gehen diese Menschen davon aus, in einer objektiven Realität zu leben. Ich habe mich und meine Mitmenschen fünf Jahre lang intensiv und bewusst beobachtet. Dabei bin ich deshalb auch zu dem Ergebnis gekommen, das unser kulturell geprägtes Weltbild auf der Annahme einer objektiven Realität basiert.

In zahlreichen Gesprächen habe ich hinterfragt, ob mein Gegenüber davon ausgeht, wir würden alle in ein und der selben Welt leben. Dies wurde von der überwiegenden Mehrheit mit „Ja“ beantwortet. Rückblickend betrachtet wurde uns das gleiche auch in der Schule beigebracht. Niemals wurde auch nur die Möglichkeit genannt, wir könnten jeder in einer eigenen Welt leben, in denen wir einander begegnen können und die wir nur so ähnlich wahrnehmen, weil wir als ‚homo sapiens‘ mit den gleichen Sinnesorganen ausgestattet sind, die auf gleiche Weise funktionieren. Als ich bereits studierte, wurde mir klar, dass auch in den Wissenschaften alle mir bekannten und offiziell als wissenschaftlich anerkannten Disziplinen auf der Annahme einer „objektiven Realität“ basierten. Besonders erstaunlich fand ich, dass es von Seiten der Lehrenden niemals einen Impuls gab, diese grundlegende Annahme zu artikulieren. Erst durch meine Lektüre von „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ von Thomas S. Kuhn erlangte ich selbst einen umfangreicheren Einblick in den Themenkomplex der Paradigmen (Weltbilder).

In unserem kulturell geprägten Weltbild gehen wir also zumeist davon aus, in einer von uns unabhängig existierenden Welt zu leben. Im Umkehrschluss endet das Subjekt an seinen Körpergrenzen und dort beginnt „die Umwelt“. Als Mensch nehme ich mich selbst durch diese Grundannahme unbewusst als winzig klein wahr und „die Umwelt“ als unfassbar komplex. Hinterfrage das nur einmal bei dir selbst, um herauszufinden, ob meine Beschreibung passt. Weiterhin lässt sich über unser kulturell geprägtes Weltbild sagen, dass es auf der Annahme gründet, die Materie sei das ihm zugrundeliegende und alles andere (wie bspw. Bewusstsein) sei zufällig aus ihr hervorgegangen. Unser kulturell geprägtes Menschenbild basiert auf der Annahme, der Mensch sei ein Körper mit einem Bewusstsein und das Denken geschehe im Gehirn (im Kopf). Frage dich auch hier einfach selbst, wie du darüber denkst und was du für „die Wahrheit“ hältst. Du wirst eine Antwort erhalten. Wenn du die Antwort für die Wahrheit hältst, bekommst du sogleich einen weiteren Hinweis auf die Grundstrukturen deiner Denkweise. Du glaubst an das Konzept der Wahrheit, was ebenso auf die Annahme einer objektiven Realität hindeutet.

Die Annahme einer objektiven Realität stellt eine gedankliche Konstruktion dar und ist somit nur für denjenigen wirklich, der diese Grundannahme für „wahr“ hält. Das hat bereits Jakob von Uexküll in seinem Buch „Nie geschaute Welten“ geschrieben und auch die Theorie der lebenden Systeme von Humberto Maturana und Franscisco J. Varela baut auf der Annahme subjektiver Wirklichkeiten und darauf aufbauenden intersubjektiven Wirklichkeiten auf.

Wenn wir diese Grundannahme, die zu einem beträchtlichen Teil unsere Wahrnehmung beeinflusst, verändern, erlangen wir dadurch eine unglaubliche Erweiterung unserer Handlungs- und Gestaltungsspielräume.

Stell dir nur mal vor, mit welchem Empfinden du deiner Welt begegnen würdest, würdest du dir ständig bewusst sein, dass sie ein Teil von dir ist? Dann stellt sich die Frage, ob wir kollektiv immer noch unsere Erde als Lebensgrundlage zerstören würden?

Teil 1: Verlasse das Ego – Löse die Identifikation – Sei glückselig und schöpfe aus dem Vollen

Schöpfende: Yannick Bennesch und Rebecca Wenk.

Lesezeit circa 26 Minuten + Zeit, die der Verstand dich davon abzubringen versucht.

Einführung

Wenn du die von den Worten ausgehenden, heilenden Impulse nutzen willst, ist eine notwendige Bedingung, dass du unvoreingenommen und offen an diese Worte herangehst. So fällt es dir leichter, auf friedliche Weise in deinen meditativen Lebensprozess einzutreten. Diese Worte können für dich einen Eingang zur Seele darstellen, zu deinem einzigartigen Selbst, dass du selbst bist. Du kannst mit dieser Konzeption dein Ich in das Selbst integrieren und die Grenzen deines Ichs in das Selbst/in die Seele transzendieren. Dann wird dein Ich nicht mehr in den Grenzen deines Ichs eingesperrt sein, sondern kann selbst, aus dem selbst heraus und durch sich, durch dein Ich hindurch, sein.

Alt gegen neu

Wenn du immer noch willst, wenden wir uns jetzt den zwei Herausforderungen zu. Die Herausforderungen bestehen darin, sich gegen das eigene Ich durchzusetzen und die inneren Widerstände ohne Wertungen wahrzunehmen, zu erkennen und bewusst Entscheidungen gegen die inneren Widerstände zu treffen (wie bspw. weiterlesen). Die inneren Widerstände werden vom Individual-Bewusstsein („Ich bin.“; abgetrennt, Einzelwesen) hervorgebracht, dass seinen manifestierten Abdruck in der linken Gehirnhälfte findet. Dort befindet sich laut Jill Bolte Taylor das sprachliche Bewusstsein, welches in Sprache ist. Mit diesem Bewusstsein denken wir Zeit und Raum und Materie und es spricht mit uns. Gleichzeitig ist es auf Sinneswahrnehmungen durch Augen, Ohren, Nase, Mund und Hände angewiesen. Die rechte Gehirnhälfte ist der materielle Abdruck unseres Einheitsbewusstseins, in dem wir vollkommen sind, friedlich, in allumfassender Liebe und Freude, sowie vollkommener Wahrhaftigkeit. In unserer westlichen Kultur haben wir uns so sehr an das Denken gewöhnt, dass unser Werkzeug nicht mehr nur noch ein Werkzeug ist, wir verwechseln heute unser Werkzeug mit der Wirklichkeit. Darum geht es auf den nächsten siebzehn Seiten und die Worte leiten zu dem Ziel, die Kontrolle über den eigenen Verstand, das eigene Ich und das Denken wiederzuerlangen und so zu der Möglichkeit zu gelangen, zu seinem eigenen Schöpfer der eigenen Wirklichkeit zu werden und das Leben nicht mehr bestreiten zu müssen, sondern es spielen zu können. Leben ist Liebe und Liebe ist Lernen. Leben lieben lernen. Leben, lieben, lernen. Leben, lieben lernen. Leben lieben, lernen. Lasst uns aus unserem Einheitsbewusstsein heraus leben. Von hier gibt es ewig viel Mögliches und unendlich viele Möglichkeiten… In tiefer Liebe und Verbundenheit wünschen wir dir und dir selbst eine wunderbare Reise in dich hinein und zu dir selbst.

Zwei grundlegende, kleine Herausforderungen

Zwei winzige Herausforderungen stellen sich mir auf dem Weg zu mir selbst, in einen meditativen Lebensprozess im Einklang mit der Existenz. Mein Ich und mein ewig plappernder Kopf. Ich und mein Verstand. Das erste Kapitel handelt von meinem Ich und das zweite Kapitel von meinem ewig plappernden Kopf. Ich habe im ersten Kapitel mein Ziel, mir meines Ichs bewusst zu werden. Im zweiten Kapitel liegt mein Ziel darin, zu erkennen, dass ich selbst entscheiden kann, ob ich denken will oder nicht. Nach den ersten Tagen höre ich auf zu denken und beginne zu begreifen und zu verstehen.

Ich lebe in einer Gesellschaft, in einer Familie, ging zu einer Schule, in der alle um mich herum mich ständig dazu anhalten, mein Ich aufzubauen. Auch die moderne Psychologie basiert darauf, Ichs zu stärken.

Das Ich

Die moderne Psychologie und die heutige Erziehung beruhen auf dem Grundsatz, dass ich ohne starkes Ich nicht in der Lage bin, mich im Leben durchzukämpfen, denn der Konkurrenzkampf ist so groß, dass mich alle anderen zur Seite drängen, wenn ich ein bescheidener Mensch bin; ich werde immer hinterherhinken. Ich brauche ein stahlhartes, starkes Ich, nur dann kann ich erfolgreich sein. In allen Bereichen — sei es im Geschäftsleben, in der Politik oder im Beruf — benötige ich eine ausgeprägte Persönlichkeit, und unsere ganze Gesellschaft ist darauf ausgerichtet, jedes Kind, auch mich, mit einer starken Persönlichkeit, einem starken Ich auszurüsten.

Von Anfang an pauken Menschen mir ein, ich solle mich bemühen, Klassen- beste zu werden. Wenn ich dann Beste in der Klasse bin, loben mich alle in den Himmel. Was tun wir da? Wir füttern unsere Ichs schon im Keim. Wir flößen Kindern schon so früh Ehrgeiz ein: „Du kannst Präsident werden oder Ministerpräsident!“ Mir wird schon so früh Ehrgeiz eingeflößt. Ich beginne meine Reise bereits mit diesen Vorstellungen, und mein Ich wird immer größer, je erfolg- reicher ich bin.

Mein Ich ist in jedem Fall die größte Krankheit, die mir mitgegeben wird. Wenn ich erfolgreich bin, wird mein Ich mächtig und groß. Das ist eine Gefahr, denn mein Ich ist wie ein riesiger Felsblock, der meinen Weg blockiert und den ich zur Seite schaffen muss.

Wenn ich mich aber klein fühle und ich keinen oder wenig Erfolg im Leben habe, wenn ich mich als Versagerin fühle, dann wird mein Ich zu einer großen Wunde. Dann tut es mir weh, dann erzeugt mein Ich Minderwertigkeitskomplexe, ich fühle mich minderwertig, und auch das führt zu Problemen. Ich habe immer Angst, mich auf etwas einzulassen, selbst auf einen meditativen Lebensprozess, weil ich weiß, dass ich versagen werde, dass ich nie Erfolg habe — dieser Glauben sitzt tief in meinem Kopf. Ich bin immer gescheitert, und dieser meditative Lebensprozess ist so etwas Großartiges – das werde ich nie schaffen! Wenn ich mit der Vorstellung anfange, zu mir selbst zu finden, dass es sowieso schief geht, weil es mein Schicksal, mein Los ist, dann kann ich natürlich gar nichts erreichen.

Wenn mein Ich also groß ist, versperrt es mir den Weg. Und wenn mein Ich klein ist, wird es zur Wunde und versperrt mir auch den Weg.

Im Mutterleib ist jedes Kind vollkommen selig. Auch ich bin vollkommen selig gewesen. Natürlich habe ich das nicht gewusst. Ich bin mir dessen nicht bewusst gewesen. Ich bin so sehr eins mit der Seligkeit, dass keine Spur von Wissen bleibt. Seligkeit ist mein Wesen. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Erkennenden und dem Erkannten. Also weiß ich als Kind natürlich nicht, dass ich selig bin. Ich werde erst dann bewusst, wenn ich etwas verloren habe.

So ist für mich nun einmal. Für mich wäre es schwierig, mir einer Sache bewusst zu werden, ohne sie zu verlieren, denn mit dem, was ich nicht verloren habe, bin ich ganz und gar eins. Es besteht kein Abstand. Betrachter und Betrachtetes sind eins; Erkennendes und Erkanntes sind eins.

Jedes Kleinkind ist in einem Zustand tiefster Glückseligkeit. Auch die Psychologen bestätigen das. Ich bin als Baby in einem Zustand tiefster Glückseligkeit. Die Psychologen sagen, dass jede religiöse und spirituelle Suche nichts anderes als ein Mittel sei, um in den Schoß meiner Mutter zurückzukehren. Sie setzen es als Kritik gegen Religionen ein, aber für mich ist es keine Kritik. Für mich ist es einfach wahrhaftig. Ja, die religiöse und spirituelle Suche ist meine Suche zurück in den Schoß meiner Mutter. Meine religiöse und spirituelle Suche ist meine Sehnsucht, diese ganze Existenz zum Leib meiner Mutter zu machen.

Als Baby bin ich völlig im Einklang mit meiner Mutter. Ich komme niemals aus dem Takt mit meiner Mutter. Ich weiß nicht, dass ich von meiner Mutter getrennt bin. Wenn meine Mutter gesund ist, bin ich auch gesund; wenn sie krank ist, bin ich auch krank. Wenn meine Mutter traurig ist, bin ich auch traurig; wenn sie glücklich ist, bin ich auch glücklich. Wenn meine Mutter tanzt, tanze ich auch; wenn sie still sitzt, bin ich still. Ich habe noch keine eigenen Grenzen. Das ist pure Glückseligkeit. Doch diese muss mir verloren gehen.

Ein Kind wird geboren. Ich werde geboren, und plötzlich werde ich aus meiner Mitte geworfen. Plötzlich werde ich meiner Erde entrissen – aus meiner Mutter entwurzelt. Ich verliere meinen Anker. Ich weiß als Kleinkind nicht, wer ich bin. Solange ich mit meiner Mutter verschmolzen war, brauchte ich das nicht zu wissen, denn ich war alles, es gab keine Unterschiede. Es gab kein „Du“, also gab es auch kein „Ich“. Die Wirklichkeit war ungeteilt. Sie war Advaita, pure Nicht-Dualität.

Als ich geboren worden bin und die Nabelschnur abgetrennt worden ist, habe ich begonnen, selbst zu atmen. Plötzlich wird mein ganzes Dasein zu der großen Suche danach, zu wissen, wer ich bin. Das ist natürlich. Ich werde mir nun allmählich meiner Grenzen bewusst, meines Körpers, meiner Bedürfnisse. Manchmal bin ich glücklich, manchmal bin ich unglücklich. Manchmal bin ich zufrieden, manchmal bin ich unzufrieden. Manchmal bin ich hungrig und weine, und meine Mutter lässt sich nirgends blicken; dann liege ich wieder an der Brust meiner Mutter und genieße, mit ihr eins zu sein. Aber es gibt nun viele verschiedene Stimmungen und Atmosphären für mich, und ich beginne allmählich zu spüren, dass ich getrennt bin. Eine Scheidung hat stattgefunden, meine „Ehe“ ist gebrochen. Ich war mit meiner Mutter ganz und gar „verheiratet“. Nun werde ich für immer von ihr getrennt sein. Und ich muss herausfinden, wer ich bin. Mein ganzes Leben lang höre ich nie wieder auf, herauszufinden, wer ich bin. Das ist meine grundlegendste Frage.

Zuerst entdecke ich, was „Mein“ ist, dann, was „mir“ oder „mich“ ist, dann das „Du“ und dann das „Ich“. So läuft es für mich ab. Das ist mein ganzer Vorgang, genau in dieser Reihenfolge. Ich schaue es mir genau an, denn so bin ich gebaut, das ist die Struktur meines Ichs. Zuerst wird mir bewusst, was „mein“ ist: Das ist mein Spielzeug, das ist meine Mutter. Ich beginne, zu besitzen. Als Erstes meldet sich der Besitzer: Besitzanspruch ist etwas ganz Elementares. Deswegen sagen alle Religionen, dass ich nicht besitzgierig sein soll, denn mit meinem Besitz beginnt die Hölle.

Ich beobachte kleine Kinder: Sie sind sehr eifersüchtig und besitzgierig. Jedes Kind versucht, den anderen alles wegzunehmen und sein eigenes Spielzeug zu bewachen. Und oft kann ich Kinder sehen, die sehr gewaltsam sind und sich kaum darum kümmern, was andere brauchen. Wenn ein Kind mit seinem Spielzeug spielt und ein anderes Kind kommt dazu, dann hält es sein Spielzeug fest und ist bereit, zu schlagen und zu kämpfen. Es geht um sein Territorium, um seine Vorherrschaft.

Mein Sinn für Besitz taucht als Erstes auf. Das ist meine Ursprungsherausforderung. Ich sage: „Das ist meins!“ Sobald das „mein“ auftaucht, sind alle anderen meine Konkurrenten. Mit meinem Besitzanspruch wird mein Leben zum Wettkampf. Ich erlebe Streit, Konflikte, Gewalt und Aggression.

Mein nächster Schritt nach dem „mein“ ist „mir“ oder „mich“. Wenn ich etwas habe, was ich als meinen Besitz beanspruche, entdecke ich durch diesen Anspruch die Vorstellung, dass etwas im Zentrum meines Besitzes sein muss. Die Dinge, die mir gehören, sind mein Territorium, und die Besitztümer bringen mich auf eine neue Idee: „Es gehört mir, es gibt mich.“

Sobald ich mich an „mich“ gewöhnt habe, erkenne ich, dass ich eine Grenze habe, und alle, die außerhalb dieser Grenze sind, sind „Du“. „Das andere“ gerät in mein Blickfeld, nun fällt alles auseinander.

Das Universum ist Eins, es ist eine Einheit. Nichts ist getrennt davon. Alles ist mit allem anderen verbunden. Alles hängt zusammen.

Ich bin mit der Erde verbunden. Ich bin mit den Bäumen verbunden. Ich bin mit den Sternen verbunden. Die Sterne sind mit mir verbunden; die Sterne sind mit den Bäumen, mit den Flüssen, mit den Bergen verbunden. Alles ist miteinander verbunden. Ich bin mit allem verbunden. Nichts ist abgetrennt, nichts kann abgetrennt sein. Abgetrenntheit ist ausgeschlossen.

Jeden Augenblick atme Ich. Ich atme ein, Ich atme aus. Es besteht ununterbrochen eine Brücke zur Existenz. Ich esse, und die Existenz kommt in mich hinein. Ich scheide Kot aus, und der wird zu Dünger. Der Apfel am Baum wird morgen Teil meines Körpers sein; ein Teil meines Körpers wird ausgeschieden und zu Dünger, wird zur Nahrung für den Baum – ein ständiges Geben und Nehmen. Keinen einzigen Moment lang hört dieser Kreislauf auf. Wenn er aufhört, bin ich tot.

Was ist Tod? Tod kann Trennung sein. In Einheit sein heißt, lebendig sein. Aus der Einheit herauszufallen, heißt, tot zu sein. Je mehr ich also glaube, ich sei abgetrennt, desto weniger sensibel bin ich, desto mehr bin ich tot und abgestumpft, schleppe mich nur dahin. Je mehr ich mich verbunden fühle, desto mehr nimmt diese ganze Existenz Anteil an mir, und ich nehme Anteil an dieser ganzen Existenz. Habe ich es einmal begriffen, dass wir alle zueinander gehören, wandelt sich plötzlich für immer meine Sichtweise. Meine Sichtweise wird zu einem fließenden Prozess. Dann sind mir diese Bäume nicht fremd – sie machen mir ständig etwas zum Essen. Wenn ich einatme, nehme ich Sauerstoff auf; wenn ich ausatme, gebe ich Kohlenstoffdioxid ab. Die Bäume atmen Kohlenstoffdioxid ein und Sauerstoff aus – es ist eine ununterbrochene Vereinigung miteinander. Ich bin im Einklang. Wir sind im Einklang. Meine Wirklichkeit ist eine Einheit, und mit der Vorstellung von „mir“ und „dir“ falle ich aus meiner Wirklichkeit heraus. Und wenn sich falsche Konzepte bei mir einnisten, steht meine Welt auf dem Kopf.

„Mir“, „mich“ und „du“ – daraus entsteht als Spiegelung schließlich das „Ich“, mein „Ich“. „Ich“ ist die subtilste, die am höchsten kristallisierte Form von Besitzanspruch. Ist das „Ich“ einmal ausgesprochen, ist das Heiligtum entweiht. Wenn ich „Ich“ sage, habe ich mich von der Existenz völlig abgetrennt – allerdings nicht wirklich abgetrennt, sonst würde ich sterben. Aber in meiner Vorstellung bin ich vollkommen von meiner Wirklichkeit getrennt. Nun beginnt ein ständiger Kampf gegen meine Wirklichkeit. Ich kämpfe gegen meine eigenen Wurzeln an. Ich kämpfe mit mir selbst.

Deshalb sagt Buddha: „Sei wie Treibholz.“ Wie Treibholz kann ich aber nur dann sein, wenn ich meine Vorstellung von meinem „Ich“ losgelassen habe. Sonst kann ich mich nicht treiben lassen, sondern kämpfe weiter. Deshalb scheint es mir so schwierig, in einen meditativen Lebensprozess einzusteigen. Wenn ich mir sage, ich soll einfach still sitzen, kann ich es nicht – etwas so Einfaches! Ich sollte doch meinen, es sei die einfachste Sache der Welt, und ich bräuchte eigentlich niemanden, der mir das beibringt. Ich könnte mich doch einfach hinsetzen und sein: Aber ich kann nicht sitzen, weil mir mein „Ich“ keinen einzigen Moment Entspannung gönnt. Wenn ich auch nur für einen Moment wirklich Entspannung zulassen könnte, wäre ich in der Lage, meine Wirklichkeit zu sehen. Und ist meine Wirklichkeit einmal erkannt, muss ich mein „Ich“ aufgeben. Dann kann ich mein „Ich“ nicht weiter bestehen lassen. Deshalb gönnt mir mein „Ich“ auch nicht einen Tag Urlaub! Selbst wenn ich in die Berge gehe, in Urlaub fahre – niemals habe ich „Ferien vom Ich!“ Ich nehme mein Smartphone mit. Ich nehme alle meine Probleme mit, damit ich beschäftigt bleibe. Um mich von meiner Wahrheit abzuhalten. Ich war eigentlich dorthin gegangen, um mich zu entspannen, aber ich setze meine ganzen gewohnten Muster im Urlaub genauso fort. Ich entspanne mich nicht.

Ich kann mich nicht entspannen. Mein „Ich“ kann sich nicht entspannen, es existiert schließlich durch Spannung. Ich schaffe neue Spannungen, neue Sorgen. Mein „Ich“ lässt mich denken, ich könnte etwas verpassen. Ich produziere ständig neue Probleme und lasse mich niemals ruhen. Hätte ich einmal wirklich Ruhe, würde mein ganzes Kartenhaus, aus dem mein „Ich“ besteht, einstürzen. Denn die Wirklichkeit ist so schön. Dagegen ist mein „Ich“ klein und hässlich.

Ich kämpfe mich immer weiter durch und dabei ist es so unnötig. Ich kämpfe um Dinge, die sowieso von allein geschehen. Ich kämpfe mich umsonst ab. Ich verlange nach Dingen, die mir gehören würden, würde ich sie nicht fordern. Im Gegenteil: Durch Fordern und Wünschen gehen sie mir verloren.

Darum spricht Buddha: „Lass dich mit dem Strom treiben. Lass dich von ihm zum Meer treiben.“

„Mein“, „mich“, „mir“, „ich“ – das ist eine Falle. Und in dieser Falle entstehen Leiden, Neurose und Wahnsinn. In dieser Falle stecke ich.

Tatsache für mich ist allerdings, dass jedes Kind dies durchmachen muss, weil es nicht weiß, wer es ist. Auch ich muss das durchmachen. Denn ich brauche schließlich eine Art von Persönlichkeit — auch wenn sie falsch ist, ist eine falsche Persönlichkeit immer noch besser als keine Persönlichkeit. Ich muss genau wissen, wer ich bin. Deshalb stelle ich einen falschen Mittelpunkt her. Mein „Ich“ ist nicht meine wahre Mitte. Ich bin ein falscher Mittelpunkt — zweckmäßig, und nur zum Schein von mir selbst produziert. Mein „Ich“ hat nichts mit meiner wahren Mitte zu tun. Meine wahre Mitte ist die Mitte von allem. Mein wahres Selbst ist das Selbst von allem. Mein Selbst ist das Selbst. In der Mitte ist die ganze Existenz eins, genauso wie an der Quelle des Lichts, der Sonne, alle Strahlen eins sind. Je weiter sie sich von der Quelle entfernen, desto weiter sind sie auch voneinander entfernt.

Mein wahres Zentrum ist nicht nur mein Zentrum, sondern das Zentrum des Ganzen, von uns allen. Aber ich habe mir selbst einen kleinen Mittelpunkt geschaffen. Das geschieht nicht von ungefähr, denn ich komme ohne Grenzen auf die Welt, ohne Vorstellung, wer ich bin. Ein eigenes Zentrum ist eine Notwendigkeit zum Überleben. Ich brauche einen Namen. Ich brauche eine Vorstellung davon, wer ich bin. Natürlich kommt diese Vorstellung von außen. Jemand sagt: „Du bist schön.“ Jemand sagt: „Du bist intelligent.“ Jemand sagt: „Du bist so lebendig!“ Und ich sammle alles ein, was die Leute mir sagen. Aus allem, was sie über mich sagen, bastle ich mir eine bestimmte Persönlichkeit. Ich habe bis jetzt nie in mich selbst hineingeschaut, habe nie nachgeschaut, wer ich selbst wirklich bin. Meine Persönlichkeit ist natürlich falsch, weil niemand außer mir selbst wissen kann, wer ich selbst bin. Meine innere Wirk- lichkeit ist nur mir zugänglich und keinem anderen. In meine innere Wirklichkeit kann niemand eindringen außer mir selbst, beobachten können mich selbst auch Menschen, die bereits in ihren meditativen Lebensprozess eingestiegen sind. Nur ich selbst kann in meiner inneren Wirklichkeit sein.

An dem Tag, wenn ich erkenne, dass ich eine falsche Persönlichkeit habe, dass ich sie mir selbst zusammengesetzt habe, aus Meinungen von anderen Menschen gebastelt habe…

Ich selbst beginne zu begreifen und zu verstehen. Ich setze mich still hin und überlege mir selbst, wer ich bin. Mir werden viele Ideen kommen. Ich schaue mir an, woher sie kommen, und ich werde ihren Ursprung finden können. Manches stammt von meiner Mutter — sehr vieles, etwa achtzig bis neunzig Prozent. Einiges stammt von meinem Vater. Einiges kommt von meinen Lehrern, einiges kommt von meinen Freunden, einiges von der Gesellschaft. Ich selbst beobachte es einfach. Ich werde bald unterscheiden können, woher es kommt. Fast nichts kommt von mir, nicht einmal ein Prozent stammt von mir. Ich habe es einfach nur als „meins“ angenommen. Was ist das für eine Persönlichkeit, zu der ich selbst gar nichts beigetragen habe? Dabei bin ich selbst doch eigentlich die Einzige, der dazu beitragen könnte, und zwar die ganzen hundert Prozent.

Sobald mir selbst das klar wird, wird mir meine religiöse und spirituelle Suche wichtig. An dem Tag, an dem mir dies klar wird, mache ich mich auf die Suche nach einem Instrument, mit der ich in mein eigenes Sein eintauchen kann, um genau herauszufinden, wer ich selbst bin — wirklich und existenziell. Heute beginne ich selbst mit der Suche, wer ich wirklich bin. Keine Bildersammlung mehr von außen. Ich muss nicht mehr andere bitten, mir meine Wirklichkeit widerzuspiegeln, sondern ich stelle mich ihr selbst, direkt und unmittelbar. Ich selbst erforsche meine eigene Natur und spüre sie in mir selbst. Wozu andere fragen? Und wen kann ich schon fragen? Sie wissen ebenso wenig von sich selbst wie ich von mir. Sie kennen sich selbst nicht. Wie sollen sie mich kennen? Ich sehe einfach, wie alles zusammenhängt, wie eins zum anderen führt, wie sich Dinge ergeben. Eine Unwahrheit führt mich zur nächsten. Ich bin fast nur mit nicht wahren Wahrheiten hinters Licht geführt worden. Ich wurde vereinfacht. Diejenigen, die mich vereinfacht haben, haben es sicher nicht bewusst getan. Sie sind wiederum von anderen vereinfacht worden. Mein Vater, meine Mutter, meine Lehrer sind von anderen vereinfacht worden — von ihren Vätern, Müttern und Lehrern. Und dafür haben sie mich vereinfacht. Werde ich meinen Kindern dasselbe antun? In einer besseren Welt werden wir Menschen intelligenter und bewusster sein und unseren Kindern klar machen, dass ihre Persönlichkeit nicht echt, sondern nur eine Vorstellung ist: „Du brauchst zwar eine; wir müssen sie dir geben, aber nur vorübergehend, bis du entdeckst, wer du selbst wirklich bist.“

Dann ist meine Persönlichkeit, mein ich, nicht meine ganze Wirklichkeit. Und je eher ich herausfinde, wer ich selbst bin, desto besser, sonst werde ich in meinem Leben von außen herumgeschubst. Je eher ich diese Vorstellung aufgeben kann, desto besser. Denn im gleichen Moment werde ich wirklich geboren, werde ich wirklich real und echt. Ich werde meine Einzigartigkeit erkennen.

Meine Vorstellungen über mich, die von anderen stammen, geben mir meine Persönlichkeit. Das Wissen, dass ich aus mir selbst beziehe, gibt mir Einzigartigkeit. Meine Persönlichkeit ist unecht; meine Einzigartigkeit ist echt. Meine Persönlichkeit ist geborgt. Meine Echtheit, meine Einzigartigkeit, meine Individualität, mein authentisches Wesen kann ich nirgendwo borgen. Keiner kann mir sagen, wer ich selbst bin.

Zumindest eines kann niemals jemand anderes für mich tun: Keiner kann mir die Frage beantworten, wer ich selbst wirklich bin. Nein, es ist eine notwendige Bedingung, ich muss mich selbst auf den Weg machen und tief in meinem eigenen Wesen graben. Schichten von meiner Persönlichkeit, von meiner falschen Persönlichkeit, müssen eine nach der anderen von mir selbst durchbrochen werden. Ich bekomme Angst, wenn ich in mein Inneres eindringe, und zwar davor, dass Chaos hereinbricht. Irgendwie bin ich doch mit meiner falschen Persönlichkeit ganz gut klar gekommen. Ich hatte mich mit ihr abgefunden. Ich weiß, wie mein Name ist. Ich habe einigermaßen gute Zeugnisse, ein cooles Smartphone, ein cooles Tattoo und coole Klamotten, Geld und Ansehen. Ich habe Mittel und Wege, mich zu definieren. Ich habe bestimmte Definitionen parat. Sie mögen hinten und vorne falsch sein, sind aber praktisch und das einzige, was ich gerade habe. Wenn ich nach Innen gehe, muss ich diese praktischen Definitionen aufgeben — und das ergibt ein Chaos.

Bevor ich in meine Mitte gelangen kann, muss ich durch sehr chaotische Zustände hindurch. Deshalb habe ich Angst davor. Bisher wollte ich nicht nach innen gehen. Immer wieder wird mir gepredigt: „Erkenne dich selbst!“ Ich höre es wohl, aber selbst habe ich bis jetzt nie darauf gehört. Ich kümmere mich nicht darum. Ich habe eine ganz bestimmte Vorstellung im Kopf, dass ich im Chaos untergehe, wenn das Selbst einmal hereinbricht, dass ich darin versinke. Aus Angst vor diesem Chaos klammere ich mich an jeden Strohhalm von außen. Doch damit vergeude ich mein Leben.

Teil 2: Verlasse das Ego – Löse die Identifikation – Sei glückselig und schöpfe aus dem Vollen

Schöpfende: Yannick Bennesch und Rebecca Wenk.

Lesezeit circa 20 Minuten + Zeit, die der Verstand, dich vom Lesen abzuhalten versucht.

Ein ewig quasselnder Kopf oder Verstand

Meine zweite winzige Herausforderung auf meinem Weg in mein Leben in einem meditativen Lebensprozess ist mein ewig quasselnder Kopf. Ich kann nicht einmal für eine Minute still sitzen, schon legt mein Kopf los: Wichtige und unwichtige, sinnvolle und sinnlose Gedanken laufen die ganze Zeit ab. Meine Gedanken sind ein konstanter Verkehrsstrom – und immer ist Stoßverkehr!

Ich sehe eine Blume und finde ein Wort dafür, ich sehe einen Mann über die Straße gehen und mache Wörter daraus. Mein Kopf kann alles Existenzielle in Worte übersetzen, alles ist bis jetzt umgesetzt worden. Diese Worte schaffen meine Herausforderung, diese Worte werden zu meinem Gefängnis. Dieser ununterbrochene Fluss, der Dinge in Worte verwandelt, der die Existenz in Worte presst, ist meine zweite Herausforderung. Dieser Gedankenfluss hindert meinen Geist daran, in meinen meditativen Lebensprozess zu fallen.

Für Wachstum meines meditativen Lebensprozesses ist deshalb die erste Voraussetzung, mir selbst die ständigen Wortbildungen in meinem Kopf bewusst zu machen und fähig zu werden, sie anzuhalten. Die Dinge einfach Sehen, ohne sie in Worte zu fassen. Mir selbst der Gegenwart der Worte bewusst sein, aber sie nicht in Worte verwandeln.

Selbst lasse ich Dinge ohne Sprache sein, lasse Menschen ohne Sprache sein, lasse Situationen ohne Sprache ablaufen. Das ist natürlich und möglich. Auch für mich selbst. Situationen, wie sie bis jetzt gewesen sind, sind künstlich, sprachlich gewesen. Sie sind von mir geschaffen, aber ich selbst habe mich daran so sehr gewöhnt, sie laufen mechanisch ab, so dass ich die Umwandlung gar nicht mehr mitbekomme. Ich scheine zu glauben, dass nur existiert, was in Sprache ist. Aber Worte sind nur Übersetzungen meiner Erfahrungen.

Die Sonne geht auf. Bisher war mir nie bewusst, dass zwischen dem Moment, wo ich selbst den Sonnenaufgang sehe und dem Moment, wo ich ihm Worte gebe, eine Lücke ist. Ich selbst sehe die Sonne, ich selbst spüre sie, und schon versprachliche ich den Sonnenaufgang. Die Lücke zwischen dem Sehen beziehungsweise den Wahrnehmungen und dem Versprachlichen ist verloren gegangen, ich nehme sie nie mehr wahr. In dieser Lücke, in diesem Zwischenraum muss ich mir selbst bewusst werden. Ich muss mir selbst der Tatsache bewusst werden, dass das, was das Wort „Sonnenaufgang“ beschreibt, kein Wort ist. Der Sonnenaufgang ist eine Tatsache, ein Teil meines Daseins, eine Situation. Mein Kopf hat Erfahrungen bis jetzt automatisch in Worte verwandelt. Diese Worte häufe ich an und sie stehen dann zwischen der Existenz – dem Existenziellen – und meinem Bewusstsein.

Mein meditativer Lebensprozess bedeutet Erleben ohne Worte, nicht-sprachliches Erleben. Sonst hindern mich die angehäuften Erinnerungen, mein sprachliches Gedächtnis daran, meinen meditativen Lebensprozess wachsen zu lassen. Meditativer Lebensprozess heißt, Situationen ohne sprachliche Kommentare zu erleben. Manchmal geschieht das spontan. Wenn ich jemanden liebe, passiert es. Wenn ich wirklich liebe, fühle ich einfach die Anwesenheit des anderen — ohne Sprache. Wenn sich zwei Liebende intim begegnen, werden sie still. Das liegt nicht daran, dass sie sich nichts zu sagen hätten. Im Gegenteil: Es gibt so eine Unmenge auszudrücken, dass sie davon überwältigt sind. Aber Worte stellen sich nicht ein, sie können es nicht. Sie kommen erst, wenn die Liebe weg ist.

Wenn ein Paar niemals still ist, wenn die beiden ständig reden, ist das ein Zeichen dafür, dass ihre Liebe gestorben ist. Jetzt füllen sie das Loch mit Worten. Wenn Liebe lebendig ist, fehlen einem die Worte, weil die Liebe so überwältigend ist und alles durchdringt, sodass meine Herausforderung Sprache überwunden wird, die Begrenzungen durch Worte sind aufgehoben. Und sie sind bis jetzt nur in der Liebe aufgehoben worden.

Mein meditativer Lebensprozess ist der höchste Gipfel der Liebe — Liebe, die nicht nur einem Menschen gilt, sondern der ganzen Existenz. Für mich ist ein meditativer Lebensprozess eine lebendige Verbindung mit der ganzen Existenz, die ich selbst bin. Wenn ich selbst jede Situation liebe, dann bin ich in diesen, meinen meditativen Lebensprozess eingetreten.

Die Gesellschaft gibt mir die Sprache. Sie kann gegenwärtig ohne Sprache nicht bestehen. Sie braucht die Sprache. Doch die Existenz braucht sie nicht. Ich soll nicht ohne Sprache existieren. Ich kann sie nutzen, doch der Mechanismus zur Versprachlichung sollte so eingesetzt werden, dass ich ihn anschalten und wieder abschalten kann. Wenn ich als soziales Wesen auftrete, dann benötige ich den Mechanismus zur Versprachlichung. Ohne ihn kann ich in meiner Gesellschaft nicht existieren. Aber wenn ich allein mit der Existenz bin, kann dieser Mechanismus abgeschaltet werden. Ich sollte in der Lage sein, ihn abzuschalten. Wenn ich das nicht kann, ist der Mechanismus durchgedreht. Wenn er sich nicht abschalten lässt und immer weiter läuft und ich es nicht schaffe, ihn abzuschalten, dann hat mich der Mechanismus in der Hand. Ich bin zu einem Sklaven geworden. Mein Kopf sollte ein Diener sein und nicht der Herr des Hauses. Aber er hat die Herrschaft übernommen. Wenn mein Kopf mich beherrscht, ist mein Zustand alles andere als meditativ. Wenn ich selbst Herr meines „Ichs“, meines Verstandes, meines Kopfes bin, wenn mein Selbst- Bewusstsein Herr und Meister ist, bin ich selbst in meinem meditativen Lebensprozess angekommen. In meinem meditativen Lebensprozess angekommen zu sein bedeutet also, den Mechanismus der Versprachlichung zu beherrschen, zu meinem eigenen Meister zu werden.

Mein Kopf und meine sprachlichen Fähigkeiten sind nicht das Höchste. Ich bin nicht mein Kopf, sondern jenseits davon, und die Existenz ist jenseits davon. Bewusstsein geht weit über Sprache hinaus, die Existenz steht weit darüber. Wenn mein Bewusstsein mit der Existenz verschmilzt, sind sie ein und das- selbe. Diesen Zustand nenne ich selbst meinen meditativen Lebensprozess. Die Vereinigung von meinem Bewusstsein und der Existenz ist mein meditativer Lebensprozess.

Sprache muss weggelassen werden. Damit ist nicht gemeint, dass ich sie verdrängen soll, dass ich sie unterdrücken oder abschaffen soll. Damit ist gemeint, dass etwas, was ich in meiner Gesellschaft brauche, zu einer Gewohnheit geworden ist, die rund um die Uhr in Funktion ist und so gar nicht benötigt wird.

Wenn ich gehe, muss ich meine Beine bewegen. Aber wenn ich sitze, brauche ich sie nicht zu bewegen. Wenn sich meine Beine im Sitzen weiter bewegen, bin ich geistig gestört, dann sind meine Beine verrückt geworden. Ich sollte in der Lage sein, sie abzuschalten. In der gleichen Weise benötige ich die Sprache nicht, wenn ich nicht mit jemandem rede. Sie ist ein Instrument, eine Technik zum Sprechen. Wenn ich etwas mitteilen will, sollte ich die Sprache nutzen. Aber wenn ich mit niemandem spreche, sollte sie nicht da sein.

Wenn ich dazu in der Lage bin — und es ist möglich, wenn ich selbst begreife und verstehe — dann kann ich in meinen meditativen Lebensprozess hinein- wachsen. Ich sage „wachsen“, weil die Vorgänge in meinem Leben keine toten Zustände sind, sondern immer Wachstumsprozesse. Deshalb ist mein meditativer Lebensprozess ein Wachstumsprozess und keine Technik. Eine Technik ist etwas Totes, sie kann mir aufgesetzt werden, doch ein Prozess ist immer etwas Lebendiges. Er wächst, er wird ständig größer. Ich kann ihn fördern, in dem ich diesen Text immer wieder lese und meine Aufmerksamkeit so auf das Selbst, meine innere Wirklichkeit lenke.

Sprache ist notwendig, aber ich sollte nicht darin hängen bleiben. Es muss Momente geben, in denen ich existenziell da bin und keine Worte nötig sind. Dieses existenzielle Sein bedeutet nicht, dass ich nur vor mich hin vegetiere. Mein Bewusstsein ist da, und zwar schärfer und lebendiger, als je zuvor, denn durch Sprache wird mein Bewusstsein abgestumpft. Sprache wiederholt sich zwangsläufig, aber die Existenz wiederholt sich nie. Deshalb erzeugt Sprache Langeweile. Je wichtiger mir Sprache ist, je mehr mein Geist sprachlich orientiert ist, desto mehr bin ich gelangweilt. Sprache ist Wiederholung. Die Existenz ist immer neu. Schaue ich eine Rose an, ist es nie eine Wiederholung. Eine Rose ist neu, ganz und gar neu. Sie ist nie zuvor gewesen und wird nie wieder sein. Sie ist für mich selbst zum ersten und zum letzten Mal da.

Wenn ich aber sage: „Das ist eine Rose“, ist das Wort „Rose“ eine Wiederholung. Es ist schon lange da und wird immer da sein. Ich habe das Neue mit einem alten Wort getötet. Die Existenz ist immer jung, und Sprache ist immer alt. Durch Sprache vermeide ich mein Leben, denn Sprache ist tot. Je mehr ich in Sprache verstrickt bin, desto mehr werde ich davon abgetötet. Ein Gelehrter ist vollkommen tot, weil er zu Sprache geworden ist. Er besteht nur aus Worten und nichts anderem. Sartre hat seiner Autobiographie den Titel „Die Wörter“ gegeben.

Bewusst in meinem meditativen Lebensprozess zu sein heißt Leben, totales Leben, und total leben kann ich nur dann, wenn ich still bin. Mit „Stillsein“ meine ich nicht „unbewusst sein“. Ich kann still und unbewusst sein, aber das wäre keine lebendige Stille, sondern Friedhofsstille. Und dann habe ich selbst wieder mein Ziel verfehlt.

Was kann ich also tun? Besonders wichtig ist, dass ich mich selbst beobachte und nicht versuche, meine Gedanken zu stoppen. Es ist nicht nötig, etwas dagegen zu unternehmen. Wer soll das überhaupt tun? Es wäre nur mein Kopf, der gegen sich selbst ankämpft. Ich würde meinen Kopf zweiteilen: in den, der versucht das Kommando zu übernehmen und den Chef zu spielen, und den anderen Teil, den er umzubringen versucht. Es ist absurd, ein idiotisches Spiel. Es kann mich verrückt machen. Ich versuche nicht, meine Seele oder Gedanken zu stoppen – ich selbst schaue einfach zu, lasse alles zu. Ich lasse meinem Geist total freien Lauf. Ich lasse ihn so schnell laufen, wie er will. Selbst versuche ich in keiner Weise, ihn zu kontrollieren. Selbst bin ich einfach nur Zeuge.

Das macht Spaß! Ich selbst beginne heute mein eigener Zeuge zu sein.

Mein menschlicher Verstand, mein „Kopf“ ist einer der wunderbarsten Mechanismen. Wissenschaftler waren bis jetzt noch nicht in der Lage, etwas Gleichwertiges zu schaffen. Mein Verstand ist und bleibt ein Meisterstück – so kompliziert und komplex, so ungeheuer kraftvoll, mit so vielen Möglichkeiten. Ich schaue einfach zu und genieße.

Und ich selbst betrachte meinen Verstand nicht als du, denn wenn ich ihn als du sehe, kann ich selbst nicht zuschauen. Dann bin ich selbst bereits voreingenommen, ich bin schon dagegen. Ich habe schon beschlossen, dass mit meinem Kopf etwas nicht stimmt, ich habe mich schon entschieden. Und immer wenn ich jemanden als mein du betrachte, kann ich mich nicht auf ihn einlassen. Genauso kann ich mich nicht auf etwas einlassen, dass ich vorher schon negativ bewertet habe. Ich schaue meinem du nicht in die Augen, ich meide ihn.

Meinem Verstand zuzuschauen, heißt, ihn mit großer Liebe, mit tiefem Respekt und mit Ehrfurcht zu betrachten. Er ist ein Geschenk der Schöpfung, des Ursprungs an mich selbst. Nichts an meinem Geist ist an sich verkehrt. Es ist für mich nicht falsch, zu denken. Es ist ein wunderbarer Vorgang, wie es auch andere Vorgänge sind. Wolken, die am Himmel entlang ziehen, sind schön. Warum nicht meine Gedanken, die an meinem inneren Himmel entlang ziehen? Knospen, die am Baum aufblühen, sind schön. Warum nicht meine Gedanken, die aus dem Sein entspringen? Der Fluss, der zum Meer fließt, ist schön. Warum nicht der Strom meiner Gedanken, der mit unbekanntem Ziel irgendwohin fließt? Ist er nicht wunderschön?

Ich schaue mit tiefer Ehrfurcht zu. Ich bin nicht mehr wie ein Kämpfer, sondern wie ein Liebhaber. Ich schaue mir die feinen Nuancen meines Geistes an, die plötzlichen Drehungen, die schönen Wendungen, wie er plötzlich springt und hüpft, die Spiele, die er spielt, die Träume, die er webt, die Fantasie, die Erinnerungen, wie er tausend und abertausend Male Vorstellungen erzeugt. Ich schaue zu. Während ich meinem Geist aus der Ferne zuschaue, ohne mich einzumischen, werde ich selbst nach und nach ein Gefühl dafür bekommen.

Und in dem Maße, wie sich meine Achtsamkeit vertieft, meine Bewusstheit tiefer wird, tauchen allmählich Lücken auf, Zwischenräume. Ein Gedanke geht, und der nächste ist noch nicht da. Es entsteht eine Lücke. Eine Wolke ist vorbeigezogen, die nächste kommt gleich — da ist eine Lücke.

In diesen Lücken kommt mir selbst eine erste Ahnung von meinem Prozess des „Kein-Geist“, des Nicht-Denkens. Ich selbst kann es auch einen Vorgeschmack von Zen und Tao und Yoga nennen. In diesen winzigen Pausen ist plötzlich der Himmel klar, und es scheint die Sonne. Meine Welt ist plötzlich voller Magie, denn alle Begrenzungen sind fort. Uber meinen Augen ist kein Schleier mehr. Mein Blick ist klar und durchdringt alles. Die ganze Existenz wird durchsichtig.

Am Anfang, in der Gewöhnungsphase sind diese Momente noch selten. Sie kommen nur ab und zu. Doch sie vermitteln mir selbst eine Ahnung davon, was Samadhiist – ein Teich der Stille. Diese kleinen Teiche kommen und verschwinden wieder. Doch nun weiß ich, dass ich auf der richtigen Spur bin. Und ich schaue weiter zu.

Wenn ein Gedanke kommt, schaue ich zu. Wenn eine Lücke kommt, schaue ich zu. Wolken sind schön, Sonnenschein ist ebenfalls schön. Nun bin ich nicht mehr wählerisch. Nun bin ich nicht mehr auf etwas fixiert. Ich sage nicht: „Ich möchte lieber nur Pausen.“ Damit würde ich mich blockieren, denn sobald ich mich darauf versteife, nur Pausen zu wollen, habe ich mich wieder gegen mein Denken entschieden. Und dann verschwinden die Pausen wieder. Sie kommen nur, wenn ich Distanz halte und mich nicht einmische oder gegen ankämpfe. Sie kommen — ich kann sie nicht machen. Sie geschehen von selbst, ich kann sie nicht zwingen zu kommen. Sie sind spontane Erscheinungen.

Ich schaue weiter zu. Ich lasse Gedanken kommen und gehen — wo immer sie hingehen wollen. Nichts ist verkehrt. Ich versuche nicht, sie zu manipulieren oder zu dirigieren. Ich lasse die Gedanken in völliger Freiheit ziehen. Und dann werden immer größere Pausen kommen. Ich werde erleben, welch ein Segen ein kleines „Satori“ ist — ein „Mini-Satori“: Minuten werden für mich ver- streichen, und kein Gedanke kommt. Es ist kein Verkehr da — totale Stille, ungestört.

Wenn die größeren Pausen kommen, werde ich nicht nur meine äußere Welt klar sehen, sondern mit größeren Zwischenräumen entsteht eine neue Klarheit: Ich werde in der Lage sein, meine innere Welt klar zu erkennen.

In den ersten Pausen sehe ich hinaus in meine Welt – die Bäume werden plötzlich grüner als sie jetzt aussehen. Ich werde um mich herum eine unendliche Musik vernehmen – Sphärenmusik. Ich bin plötzlich in Gegenwart des Ursprungs und Gottes: Ich bin von etwas Unsagbarem, Geheimnisvollen berührt, obwohl ich es nicht greifen kann. Es ist in meiner Reichweite und doch jenseits davon.

In den größeren Zwischenräumen geschieht dasselbe innerlich. Ursprung, Gott und Schöpfung sind nicht nur außen. Plötzlich stelle ich überrascht fest: Ursprung, Gott und Schöpfung sind auch in mir selbst. Sie sind nicht nur in dem, was ich sehe; sie sind auch in mir selbst, dem, der sieht — innen und außen. Doch selbst halte ich mich auch daran nicht fest.

Sobald ich selbst an etwas festhalte, bekommt mein Kopf neue Nahrung und kann weitermachen. Durch Zuschauen ohne Festhalten hört er von selbst auf, ohne dass ich mich bemühe, ihn zum Aufhören zu bringen. Und wenn ich anfange, Momente der Seligkeit einfach zu genießen, werde ich meine Fähigkeit entwickeln, meine Seligkeit für immer längere Zeiträume zu halten. Mit einiger Erfahrung werde ich schließlich selbst zu einem Meister darin. Nach einiger Zeit bin ich schließlich selbst Meister. Dann denke ich nur dann, wenn ich selbst denken will. Wenn Gedanken benötigt werden, nutze ich selbst meinen Kopf, meinen Verstand; wenn keine Gedanken benötigt werden, lasse ich ihn ausruhen. Es ist nicht so, dass mein Verstand plötzlich nicht mehr vorhanden ist. Er ist da, aber ich kann ihn benutzen oder auch nicht. Nun ist es meine Entscheidung. Es ist wie mit meinen Beinen: Wenn ich laufen will, nutze ich sie; wenn ich nicht laufen will, lasse ich sie ruhen. Meine Beine sind einfach da. In gleicher Weise ist mein Kopf immer da.

„Kein-Geist“ ist für mich selbst nicht gegen den Kopf, sondern bedeutet, darüber zu stehen, Selbstbeobachter, mein eigener Zeuge zu sein. Der Prozess von „Kein-Geist“ heißt nicht, dass meine Denkfähigkeit getötet oder zerstört wird, sondern ich selbst trete in meinen meditativen Lebensprozess ein, wenn ich beginne meinen Kopf so total zu durchschauen, dass ich nicht mehr immer zu denken brauche. Ich selbst habe mich, mein „Ich“, losgelassen. Mein Denken ist durch Begreifen und Verstehen ersetzt worden. Ich selbst werde jetzt anfangen, mich selbst zu begreifen und zu verstehen.

Nun bin ich selbst wieder Oberhaupt im eigenen „Haus“.

Selbst bin ich ganz und gar Meisterin meiner selbst.

Selbst bin ich nun wieder in Einheit mit der ganzen Existenz.

Selbst heiße ich mich herzlich willkommen, wo ich selbst jetzt hineinwachse werde. Ich freue mich selbst, dass ich meine inneren Widerstände hinter mir gelassen habe, um mich für diesen, meinen Wandel zu öffnen und endlich vollkommen ich selbst zu werden.

 

INTEGR-ISMUS: Grundhaltung des Annehmens und Erkennens (Teil 1)

Schöpfende: Yannick Bennesch und Rebecca Wenk.

Lesezeit circa 9 Minuten.

Zu musikalischen Untermalung: Klicke im Stream auf „Play“ und dann nach deinem Empfinden auf eine individuelle Stelle. Es wird genau die richtige für dich sein…

Zur Einführung

Als diese Schrift geschrieben worden ist, ist ein 26.ter März gewesen. Wir* zählen wahrscheinlich beide das 2017.te Jahr nach Christus, weil die Zeitrechnung unserer Kultur auf der Grundlage der christlichen Religion entstanden ist. Die Schöpfungsgeschichte in der Bibel beginnt mit der Geburt von Jesus Christus. In dieser Zeitrechnung liegen die ersten sechzehn Jahre des dritten Jahrtausends hinter uns und das Siebzehnte ist vier von dreizehn Mond-Zyklen jung. Vor ein paar Tagen, dieses Jahr am 20.ten März, ist Tag- und Nachtgleiche (Frühlingsanfang) gewesen. An so einem Tag ist die Nacht genau so lang wie die Nacht. Seitdem verlängern sich die Tage wieder, während gleichzeitig die Nächte kürzer werden.

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Du hast diese Seiten in deinen Händen und hast dich somit dazu entschieden, das Geschriebene zu lesen. Es ist also dein Jetzt gekommen, um für dich selbst zu erkennen und für dich selbst anzunehmen, dass die Welt, die du als ausserhalb deines Körpers wahrnimmst, direkt mit deinen gegenwärtig lebendigen individuellen Einstellungen und Haltungen verbunden ist. Was und wie Menschen ihre äussere Welt wahrnehmen, ist in seinem Wesen auch natürlich entstanden, wird allerdings durch die individuellen Haltungen und Einstellungen eingefärbt und lenkt unsere Aufmerksamkeit. Der bis heute von unzähligen anderen Menschen in unseren äusseren Welten erfasste und kommunizierte Gesamtzustand unseres Lebensraums Erde und seiner fortschreitenden Entwicklung als Beispiel ist direkt mit den gegenwärtig in einem selbst lebendigen individuellen Einstellungen und Haltungen verbunden.

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Die Welt, die Ich als ausserhalb ihres/seines individuellen Körpers wahrnimmt, stellt „man“ (alle) sich in unserer westlichen Kultur gewöhnlicher Weise als eine objektiv vorhandene Welt vor, die wir auch mit einem lateinischen Fremdwort bezeichnen können. Wir nennen die Welt dann das „Universum“. Wir nehmen für gewöhnlich an, dass wir alle nebeneinander in diesem Universum auf der Erde leben.

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Doch diese, gegenwärtig als von Subjekten unabhängig existierend wahrgenommene, objektive Welt, kann genau so gut als von Subjekten wechselseitig verbunden wahrgenommene Welt angenommen und anerkannt werden. Das bis heute von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erfasste Gesamtbild unserer Erde ist dann neben seinen natürlichen und scheinbar objektiven Wurzeln auch ein Spiegelbild der Summe aller individuellen und subjektiven Grundeinstellungen und Grundhaltungen sowie der daraus resultierenden Gefühle, Gedanken, Handlungen und Folgen jedes Einzelnen und jeder Einzelnen.

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Das Böse und Schlechte, dem ein Ich in ihrer/seiner Aussenwelt Aufmerksamkeit schenkt, stellt auf der Grundlage der oben beschriebenen Annahme, in einem übertragenen Sinn auch ihre/seine individuelle Spiegelung ihrer/seiner inneren Welt dar und weist ein Ich auf individuelle Herausforderungen an, die für weiteres inneres Wachstum gemeistert werden können. Sie tarnen sich insbesondere am Anfang eines individuellen Entwicklungsvorgangs häufig als scheinbar unüberwindbare Probleme und Hindernisse, während sie gleichzeitig, nur eben anders betrachtet, auch als überwindbare Herausforderungen und Aufgaben erscheinen können und als solche erkannt werden können. Hinter ihnen verbergen sich in beiden Fällen Möglichkeiten zusätzliche Kräfte hervorzubringen. Ich habe mir deshalb angewöhnt, mich mit Dingen, Vorgängen und Zusammenhängen bewusst zu konfrontieren, insbesondere dann, wenn sie mir als Widerstände erscheinen, denen ich spontan ausweichen möchte.

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Unsere Vorfahren haben bis zu uns heute mehrere tausend Jahre mit unzähligen Kriegen verbracht. Bis jetzt scheint die westliche Kultur eine Kultur des Gegeneinander  und der ungelösten, unbewältigten Erinnerungen zu sein. Wer sich einige Jahre Zeit nimmt und vorher ihren/seinen Geist auf Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten hin selbst bespricht, kann in Büchern von früheren Denkern und Schreibern nachlesen und wird auf diesem Weg früher oder später zu der Erkenntnis gelangen, dass wir bis heute  im Allgemeinen immer wieder Strategien der Vermeidung angewendet haben und noch immer zur Anwendung bringen. Dies tun wir im Kleinen, bei uns Zuhause in unseren Familien, und dies tun wir ebenfalls im Großen, in unserem globalen Zusammenleben. Ein Ich hat zwar heute in unserer Kultur die mannigfaltigsten Möglichkeiten, sich Fertigkeiten und Wissen anzueignen und auf diese Weise bewusst zu werden, doch Ich hat heute ebenso viele Möglichkeiten, sich mit Ablenkungen aller Art und für jeden Geschmack davon abzuhalten, Bücher zu lesen, aufmerksam und achtsam zu zuhören oder bewusst in ihren/seinen inneren Dialog mit sich selbst zu treten, um sich weiterer Fähigkeiten und weiteren Wissensinhalten bewusst werden zu können, für sich neue Fertigkeiten und Wissensbereiche zu erschließen und den eigenen bewussten Geist auszudehnen.

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Wer heute mal einige belesene und vermögende Menschen fragt, welche Zivilisationsform die beste sei, der wird in vielen Fällen die Antwort bekommen, dass der im gegenwärtigen Kapitalismus zum Ausdruck kommende Individualismus die beste existierende Möglichkeit zur Gesellschaftsorganisation sei, die wir bisher hätten. Und in einem gewissen Sinn hat ein Mensch, der diese Antwort gibt, damit auch Recht: beachten wir nämlich nur die Geschichte, die heute als allgemein gültige, objektive Wahrheit anerkannt ist, so sehen wir eine Zivilisationsgeschichte der Menschheit, die in westlichen Geschichtsbüchern häufig mit ägyptischen Herrschergöttern beginnt, über griechische Götter und gottähnliche Herrscher, über Könige und geistliche Führer im Absolutismus, weiter über die unterschiedlichen Prägungen des Christentums bis zur heutigen, übermächtigen, wissenschaftlichen Wahrheit führt. „Der Russe“ bekommt in vielen Büchern stets die gleiche Bemalung. Er sei das Böse in Person und verkörpere den Feind, den Kommunismus. Diese gesamte Geschichte spiegelt eine Geschichte der Männer, des Kampfs und des Kapitalismus wider. Erste Währungen sind bereits vor mehr als 2.500 Jahren entstanden, als der Handel im Mittelmeerraum florierte und der Tauschhandel die Menschen vor immer größere Schwierigkeiten beim Tauschen stellte.

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Heute leben wir in einer auf vielfältige Weise global vernetzten Welt. Die Finanz- und Handelsströme sind global geworden und auch die Kommunikationstechnologie spielt sich heute im „World Wide Web“ (www) ab. Das bringt viele neue Möglichkeiten mit, die unsere Lüste anregen. Das heißt aber auch, wir können die Auswirkungen und Folgen unseres jeweils individuellen Fühlens, Denkens und Handelns, in der Summe aller Menschen auf unsere Erde als Ganzes und auf jeden Menschen, jede Pflanze, jedes Tier und jedes Mineral erfassen und kommunizieren.

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Den Kommunismus haben unsere Vorfahren in anderen Regionen unserer Erde ausprobiert, so wie wir in unserer Kultur den Individualismus bis heute auf seine Spitze getrieben haben. Und immer wenn eine grundlegende Neuerung, also eine wirkliche Änderung, stattgefunden hat, kam eine Strategie zur Anwendung, die darin bestand,  von nun an das Andere konsequent zu vermeiden und dagegen zu sein. So wird einer heute schnell in eine Kommunismus-Ecke gedrängt, wenn er sich für mehr Gemeinschaftsorientierung in der Gesellschaftsgestaltung oder für die Enteignung von Superreichen ausspricht. Das kann allerdings auch passieren, wenn einer sich deutlich gegen den heutigen kapitalistischen Individualismus ausspricht oder klarstellt, dass unser gegenwärtiges kapitalistisch-individualistische Gesellschaftssystem seinen Ursprung in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika hat.

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Ich mache einen anderen Vorschlag und male ihn im Folgenden für euch aus. Ich bezeichne ihn als „Integrismus“. Bei der Geisteshaltung des Integrismus geht es um eine grundlegend andere Herangehensweise an das Leben, sich selbst, uns alle und unsere Mitwelten heranzugehen. Es ist dafür notwendig, im Wesentlichen eine alte Handlungsgewohnheit abzulegen und durch eine Neue zu ersetzen. Dies ist die Gewohnheit, zu versuchen, alles und jedes zu vermeiden, was wir früher bereits als „schlecht“ bewertet haben.

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Ich beschreibe mit dem „Integrismus“ eine geistige Grundhaltung, die es einem Ich ermöglicht, anstelle der Vermeidungsstrategie von nun an die Strategie des Einfügens (Integrierens) anzuwenden. Das Wort „Integrismus“ ist vom Lateinischen „integrare“ abgeleitet, was soviel bedeutet wie „wiederherstellen, erneuern“ und wird durch die Endung „-ismus“ ergänzt. Durch diese Endung wird angezeigt, dass es sich hierbei um eine bestimmte Geisteshaltung und  gleichzeitig auch eine politische Richtung handelt. Im Englischen würde von einem neuen „mind set“ gesprochen und gemeint ist damit ein Satz an grundlegenden Geisteseinstellungen, die deutschsprachigen „homo sapiens“ die Möglichkeit geben, sich von ihren altgewohnten Geisteshaltungen zu lösen und durch einen anderen Satz an Geisteseinstellungen zu ersetzen.

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Wir = Wenn ich von „wir“ spreche, meine ich damit entweder dich und mich oder jede und jeden gegenwärtig seienden „homo sapiens“ auf unserer Erde. Damit bilde ich das Kontinuum, zwischen höchstem/größten menschlichen Wir und dem Zweitkleinsten menschlichen Wir (Du — Ich; Ich — Du). Das kleinste Wir besteht aus dem Ich und meiner selbst, das auch als Ich und Selbst(-BeobachterIn) beschrieben werden kann.

INTEGR-ISMUS: Grundhaltung des Annehmens und Erkennens (Teil 2)

Schöpfende: Yannick Bennesch und Rebecca Wenk.

Lesezeit circa 6 Minuten.

Zur musikalischen Untermalung: Klicke im Stream auf „Play“ und dann nach deinem Empfinden auf eine individuelle Stelle. Es wird genau die richtige für dich sein…

 

Eine Einsicht und ein aktuelles Eingeständnis

In meinen seelischen, geistigen und körperlichen Untersuchungen erlangte ich eine Einsicht und erkannte in meiner letzten Zeit, dass ich viele Menschen an ihre inneren Abgründe geführt habe. Ich habe teilweise vorher geglaubt, Menschen müssten erst einmal diesen ihren Abgrund vor ihren inneren Augen sehen. Heute glaube ich, diese Ansicht ist falsch gewesen. Ich glaube heute, dass nur Menschen, die ihren Weg vollkommen allein gehen wollen, so wie ich es lange Jahre tat, ohne es bewusst zu wollen, ihrem inneren Abgrund direkt in die Augen schauen müssen, um von diesem Tiefpunkt aus den Aufstieg aus sich selbst heraus anzutreiben. Ich habe gedacht und denke teilweise immer noch, dass sich ein Mensch einmal vollständig selbst „Neustarten“ muss, um seinen inneren Antrieb wieder zu erwecken. Kurz gesagt: ich bin lange davon ausgegangen, dass jede und jeder ihr/sein eigenes, neues „mind set“ selbst zusammenstellen muss.

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Von dieser Ansicht möchte ich mich an dieser Stelle deutlich distanzieren. Sie ist heute (Frühling 2017) nicht mehr meine aktuelle Ansicht. Vielmehr erkenne ich jetzt, dass dieser Absolutismus in meiner Grundannahme nicht zutreffend ist. Es gibt gleichzeitig auch noch unendlich viele andere Wege, zu einem neuen Satz von Grundeinstellungen zu gelangen und nicht jede oder jeder muss „meinen Weg“ der totalen Stille und hermetischen Abriegelung gehen. Deshalb glaube ich heute, dass es möglich für einen sprachmächtigen Menschen ist, einen grundlegenden Satz an Grundeinstellungen zu bestimmen, die allerdings allen und jedem Menschen jede und alle Möglichkeiten zwischen 1 und unendlich offen lassen und sie oder ihn vor allem dazu befähigen, selbst ihre oder seine Grundeinstellungen zu wählen.

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Zwei erste grundlegende Sätze des Integr-ismus

1. Ich-Satz: „Integrismus“ bedeutet für ein Ich die grundlegende Geisteshaltung, in der es sich selbst und das eigene Leben bedingungslos in seiner unvollkommenen Vollkommenheit anerkennt und annimmt.

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„Ich bin mir selbst voll bewusst, dass ich immer unfertig bin und sein werde.

Ich nehme das frei von Bedingungen an.“

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2. WirSatz: „Integrismus“ bedeutet für ein Ich die grundlegende Geisteshaltung, ab jetzt immer auch Wir (mehrere gleichgesinnte Menschen in Gruppen zusammen-genommen) zu sein und mit dessen Mitgliedern gemeinsame grundlegende Geisteshaltungen zu pflegen. Zu dieser Geisteshaltung gehört auch, das gegenwärtige Ich um Wir als höheres Selbst zu ergänzen und die gemeinsamen, sich überschneidenden Lebensbereiche bedingungslos in ihrer unvollkommenen Vollkommenheit anzuerkennen und anzunehmen.

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„Ich bin mir selbst voll bewusst, dass Ich weiß, dass Ich immer auch Wir ist.

Ich nehme mich selbst auch als uns viele frei von Bedingungen an.“

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Anmerkungen zum ersten Satz

Bei einem gewöhnlichen Ich ist das Ersetzen der alten Grundeinstellung hin zu dieser eine fundamentale Wandlung des eigenen Seins, die am Anfang erschreckend oder angsteinflössend erscheinen und wirken kann. Das kann unter Anderem daran liegen, dass Menschen in den westlichen Kulturen zumeist eher in eine andere Richtung erzogen werden. Im vorherrschenden westlichen Erziehungsmodell wird behauptet, dass man versucht, dem heranwachsenden Ich und Menschen dabei zu helfen, möglichst viele „Fehler“ zu vermeiden und Probleme zu umgehen, damit dieses Ich es leichter hat als das jeweilige erziehende Ich es früher hatte.

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Mit „sich selbst“ bedingungslos in seiner unvollkommenen Vollkommenheit anerkennen und annehmen ist gemeint, dass Ich sich selbst auch anerkennen und annehmen kann, wenn Ich nicht vollkommen Vollkommen ist. Denn gerade dies unterscheidet im Wesentlichen die natürliche, aus dem Zentrum der inneren Welt entspringenden Perfektion des Ich selbst gegenüber der normalen, durch äußere Reize gelenkten und aus den Erinnerungen und Erfahrungen entspringenden Perfektionsvorstellung. Ich selbst ist in seinem natürlichen Wesen unbegrenzte, unendliche, freie und ewige Liebe.

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Diese natürliche Form von Liebe ist in vielen Fällen jedoch durch dicke Schichten von „schlecht“ bewerteten Erinnerungen und Erfahrungen umgeben und überlagert, sodass die Kraft der Liebe nur in verfälschter Form und Gestalt zum Ausdruck kommt.

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Das echte Ich selbst überdeckend, drängt sich der Verstand, der sprachlich beschreibbare Anteil des Ich selbst, häufig und ganz gewohnt in den Vordergrund. Durch die Wortsprachen und die Orientierung auf Wissen und Wahrheit in unserer Kultur, erscheint es den meisten Menschen, „normal“ zu sein, dass sie sich mit Hilfe der Wortsprachen definieren und sich auf diese Weise von einem unendlichen Möglichen, das sie ebenfalls sind, abgrenzen. Häufig ist dies früheren, hemmenden Erinnerungen und Erfahrungen geschuldet, die das natürlicherweise unendliche Selbstwertgefühl untergraben haben und später, als Persönlichkeit in einer abgespeckten Form ersetzt wurde.

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Anmerkungen zum zweiten Satz

Bei einem gewöhnlichen Ich ist dies eine zusätzliche Ergänzung zu der neuen, weiter gefassten Vorstellung, sich selbst und das eigene Leben in seiner unvollkommenen Vollkommenheit anzuerkennen und anzunehmen. Nun heißt es zusätzlich auch noch das eigene Bewusstsein dahingehend auszuweiten, dass Ich nicht nur ein einzelner, individueller Mensch ist und Ich sich durch dieses definiert, durch dieses aber nicht, sondern Ich sich selbst von jetzt an immer auch als Wir in seiner unvollkommenen Vollkommenheit anerkennt und annimmt.

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Wir ist unspezifisch. Dies ist es deshalb, damit darin alle möglichen Arten der Vereinigung eingefügt werden können. Vom wir beide über das Wir als Menschheit zum Wir als alle Lebewesen unserer Erde oder unserer gemeinsamen Welt.

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INTEGR-ISMUS: Grundhaltung des Annehmens und Erkennens (Teil 3)

Schöpfende: Yannick Bennesch und Rebecca Wenk.

Lesezeit circa 7 Minuten.

Zur musikalischen Untermalung: Klicke im Stream auf „Play“ und dann nach deinem Empfinden auf eine individuelle Stelle. Es wird genau die richtige für dich sein…

 

Muladhara

 

Wirksame Grundeinstellungen des Integr-ismus

Der gegenwärtig global am stärksten verbreitete Satz an Grundeinstellungen, lässt sich als „materialistisch-mechanistisch-informationelle Grundhaltung“ bezeichnen. Damit gemeint ist eine geistige Grundhaltung, auf deren Fundament sich das eine physische Universum, absolute Zeit und absoluter Raum gründet, welches mit dem Urknall seinen Anfang nahm, und in dem alle Menschen nebeneinander auf der Erde leben, während Ich ausserdem daran glaubt und hofft, dass wir als Menschheit schon rechtzeitig die nötigen Technologien entwickeln werden, die uns vor dem Zusammenbruch unserer Lebensgrundlage retten, dass Ich nur möglichst viele Informationen braucht, um sich informiert zu fühlen. Mit anderen Worten heißt das: Ich empfinde mich als ein Körper mit einem Geist in einem absoluten Raum und einer absoluten Zeit. In diesem unfassbar großen Universum, in dem in jeder Sekunde der Zeit, in einer global vernetzten Welt, ständig so viele neue Informationen entstehen und kommuniziert werden, fühlt ein Ich sich überflutet von der Informationsmenge und folgt trotzdem wie süchtig dem Informationsstrom.

Svadhisthana

1. „Ich liebe mich selbst, mit all meinen Schatten- und Sonnenseiten.“ Das heißt: Ich nimmt sich in seiner nicht überschaubaren Ganzheit an, in dem Vertrauen, dazu fähig zu sein, mit allen Situationen und jeder Herausforderung, denen Ich begegnet, für sich selbst erfolgreich umzugehen. „Selbstliebe“ und „Selbstvertrauen“ sind zwei Kernbegriffe sprachlicher Selbstbeeinflussungen (Auto-Suggestionen) zur Stärkung des eigenen Selbstwerts und Selbstwertgefühls und auch zur Steigerung der Liebesfähigkeit zu ihrem/seinem Ich, sich selbst und ihrer/seiner äusseren Welt. Die Ergänzung der Worte „Liebe“ und „Vertrauen“ mit dem Wort „Selbst-“ sprechen auf direktem Weg das gesamte Wesen eines Ich an und beschränken sich nicht auf den bewussten Geist wie es bei „Ich liebe mich“ oder „Ich vertraue mir“ wäre. „Ich“ als Wort bezeichnet den Teil eines Geistes, den ein Ich wort-sprachlich beschreiben kann. „Selbst“ als Wort bezeichnet die Ganzheit eines Geistes, den ein Ich teilweise wort-sprachlich beschreiben, zu einem anderen Teil fühlen, noch einem Anderen empfinden kann und zu einem weiteren, noch sehr viel größeren Bestandteil noch nicht einmal von dessen Existenz-Möglichkeit weiß.

Manipura

 

2. „Aus Selbstliebe geht all meine weitere Liebe an die als Andere Erscheinen-den und als Anderes Erscheinendes hervor.“ Das heißt: Ich erschafft Kraft ihrer/seiner Liebe im Zentrum ihrer/seiner selbst und daraus entspringt in einem zweiten Schritt immer mehr teilbare Liebe, die Ich bereit ist, zu geben.

Anahata

3. „Ich empfinde mich als wirklich seiend.“ Das heißt: Ich nimmt sich als Eines wahr, was Ich wirklich ist und gleichzeitig auch wie Ich wirklich ist. Diese Grundannahme ersetzt das möglicherweise vorhandene und tiefverwurzelte „Ich denke, also bin ich“ von René Descartes.

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4. „Ich bin immer theoretisch unendlich und jetzt praktisch endlich.“ Das heißt: in dem Jetzt, wenn Ich sich beschreibt, ist eine solche Beschreibung immer begrenzt und damit endlich, da sich das Kontinuum des Möglichen bis weit über die Bereiche hinaus aufspannt, für die es gegenwärtig im Deutschen noch nicht einmal Worte und Bedeutungen gibt. Gleichzeitig ist alles und jedes als Mögliches und Möglichkeit vorhanden, wenn auch nicht alles und jedes jetzt als Wirkliches und Wirklichkeit wahr gemacht werden kann. Warum wir gegenwärtig nicht alles verwirklichen können, was wir möchten, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Nur soviel sei gesagt: die scheinbare Widersprüchlichkeit der ineinander verschachtelten Ebenen der Wirklichkeit eines Ichs erschweren die Möglichkeit  durch einfaches, bewusstes Wahrnehmen den Zusammenhang zu verstehen. Die Notwendigkeit dafür, dass Ich jetzt noch nicht alles verwirklichen kann, was Ich selbst möchte, liegt in der bei vielen Menschen noch ausstehenden Annahme vielschichtiger subjektiver und inter-subjektiver Wirklichkeiten als Ersatz für die Annahme eines objektiv existierenden Universums, in dem ein Ich sich erschlagen von der Informationsmenge und ohnmächtig von der unfassbaren Größe fühlt.

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5. „Ich lenke meine bewusste, volle Aufmerksamkeit gleichzeitig auf das große Ganze und das bestimmte Kleine im Besonderen.“ Das heißt: Ich öffnet sich damit zum Einen dafür, ihre/seine eigene Aufmerksamkeit voll auszuschöpfen und  sie gleichzeitig auch bewusst fokussiert auf das jeweilige bestimmte Kleine zu lenken. Wie schon im fünften Satz, geht es auch hier um die Vereinigung von Gegensätzen. Es ist sehr wohl möglich, gleichzeitig die eigene Aufmerksamkeit auf das große Ganze und das kleine Einzelne zu richten. Unterscheidungen als Wirklichkeit gibt es nur auf der wort-sprachlichen Ebene des Denkens und Sprechens eines Ich ganz konkret. Schon das Fühlen erfährt Ich als ineinander übergehende Regungen unterschiedlicher Art, die auch gleichzeitig und vermischt in Erscheinung treten können. Trotzdem ist das Fühlen durch das Übergehen ineinander nicht mehr eindeutig unterscheidbar. Ein Ich, das sich selbst empfindet, kann überhaupt nur Übergänge beschreiben. Sie spielen sich zwischen hell und dunkel ab und zeigt einem Ich eine Art Maßstab für die eigene Erschaffung von Liebe aus sich selbst heraus. Nur die Sinneswahrnehmungen und das Denken offenbart uns viele Unterscheidungen und Unterschiede.

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6. „Jedes Ich das selbst Ich ist, ist einzigartig und jederzeit bereit, anders zu werden.“ Das heißt: ein Ich braucht lediglich Mut aufzubringen, einen Schritt nach dem Anderen zu gehen und so das zu verwirklichen, was Ich sein will und Ich selbst sein möchte. Anders herum beschrieben: Ich kann sich von ihren/seinen Ängsten und Zweifeln lösen, die Ich an der Umsetzung zu hindern. Auf diese Weise kann Ich sich selbst befreien und zum gestaltenden Element meiner Wirklichkeit werden. Wenn die Grenzen des gewohnten, sprachlichen „Ich“ erst einmal überwunden worden sind und Ich selbst Ich ist, dann erst erkennt Ich ihre/seine wahrhaftige Einzigartigkeit, die aus der inneren Welt eines Ich heraus geschieht und nicht mit dem Willen und seiner Kontrolle herbeigeführt werden kann. Das Wesen jedes Ich ist das selbe und gleichzeitig auch ein einzigartiges Eines. Wie aber kann Ich jederzeit bereit sein, anders zu werden? Das ist ein Leichtes für dich. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind Teile des vorherrschenden Zeitdenkens. Da auf der unräumlich-unzeitlichen Ebene des Seins keine Unterscheidungen und Unterschiede wirklich sind, reiht sich im Leben eines jeden Menschen ein Jetzt an das Nächste. Jetzt ist Immer. Immer ist Jetzt. Ein Ich kann das Früher und das Jetzt nicht verändern, während alles und jedes Spätere noch gestaltbar ist und die Möglichkeit hat, anders zu werden.

Kreise und Geometrische Formen