Self-fulfilling prophecies – Selbsterfüllende Prophezeiungen

Der Kreislauf der selbsterfüllenden Prophezeiungen hat in seinem Ursprung die Gedanken. Die Worte stellen die Vereinfachungen meiner Gedanken dar.

Von diesem Punkt aus werden diese in Worten existierenden Gedanken zu Handlungen. Ich spreche dir Worte aus oder handle danach.

Wenn ich Spaß finde an diesen Handlungen und sie regelmäßig ausführe, werden sie mit der Zeit zu Gewohnheiten.

Ich tue Dinge gewohnt, routiniert und die Handlungen werden leichter.

Diese Gewohnheiten, egal ob schlecht oder gut, werden zu meinem Charakter.

Ich werde so, wie ich sein will, bewusst oder auch unbewusst.

Aus meinem Charakter resultiert letztlich mein Schicksal, von dem mein Kreislauf erneut beginnt.

Ich produziere bewusst oder unbewusst wahrgenommen mein Schicksal, welches das Resultat meiner Gedanken, meiner Worte, meiner Handlungen, meiner Gewohnheiten und meines Charakters ist, in meine Mitwelt.

Jedoch kann ich entscheiden, ob ich aus diesem Kreislauf ausbrechen will.

Und ich will.

Und ich kann alles, was ich will!

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Atmung und bewusstes Atmen

Schöpfende: Yannick Bennesch und Rebecca Wenk.

Lesezeit circa 5 Minuten.

An dieser Stelle wird es um bewusstes Atmen gehen. In den westlichen Kulturen ist bei vielen Menschen eine flache Atmung zur normalen Atmungsweise geworden. Solche Menschen atmen häufiger in die Brust als tief in den Bauchbereich hinein. Noch weniger Menschen in den westlichen Kulturen sind sich ihrer Atmung dauerhaft bewusst, geschweige denn atmen bewusst. Atmen ist jedoch eine der grundlegendsten natürlichen Fähigkeiten luftatmender Lebewesen auf unserer Erde, zu denen auch wir Menschen gehören.

Die Übung ist leicht. Richte den Fokus deiner Aufmerksamkeit, wann immer es dir zu Bewusstsein kommt, auf deine Atmung. Beobachte sie. Ist deine Atmung flach, kannst du nun, wenn es dir bewusst wird, indem du es erkennst, bewusst wieder tief in den Bauch hinein atmen. Gib dir für dich selbst Mühe, deinen nun wieder tiefen Atem eine Weile bewusst zu beachten. Wenn es dir auffällt, dass du flach atmest, beurteile und bewerte es nicht. Beobachte deine Atmung. Lass den Augenblick auf dich wirken. Bewusstes Atmen als Mittel und Werkzeug kannst du dir am besten als einen Kreislauf vorstellen. Du atmest. Dann kommt dir „Atmung“ zu Bewusstsein. Du erkennst, ob du flach oder tief atmest. Entweder du verdrängst deine Erkenntnis direkt wieder oder du nimmst deine Herausforderung an. Ist deine Atmung flach, greifst du ein, indem du bewusst beginnst wieder tiefer zu atmen. Beobachte einen Moment dein tiefes Atmen. Nach einiger Übung wirst du immer regelmäßiger kurz auf deine Atmung gelenkt, prüfst sie einmal kurz oder greifst steuernd ein und wendest dich wieder deiner äußeren Welt zu. Je mehr Begeisterung du in dein inneres Wachstum hineinsteckst, umso mehr wirst du an Ergebnissen erkennen können, wenn du denn auch achtsam und aufmerksam bist. Wenn du mit einem guten Gefühl feststellst, dass du immer seltener flache Atmung bei dir beobachtest, dann ist aus der Fähigkeit des tiefen Atmens eine Fertigkeit geworden. Und wie beim Fahrradfahren auch, wenn du erst einmal fahren kannst, wirst du es im Normalfall nicht wieder verlernen. Wann dieses Niveau erreicht ist, kann dir niemand sagen, ausser dir selbst.

Damit die Übung nicht zu irgend so einer Übung wird, die du hier mal fünf Minuten machst und dann bist du fertig, schlage ich einen Übungs-Weg vor, der von Anfang an darauf ausgelegt ist, jedes Mittel und jedes Werkzeug direkt ins Alltagsleben zu integrieren. Auf diese Weise wirst du darauf ausgerichtet, vom Anfang des Weges an auf Ähnlichkeiten zu achten, um so später deine Mittel und Werkzeuge möglichst vielseitig einsetzen zu können. Ich möchte dir hiermit einen Weg dorthin weisen, wo du dich aus dir selbst heraus bereit fühlst, deinen Weg selbstständig weiter zu gehen und dafür mit allen nötigen Mitteln und Werkzeugen ausgestattet zu sein.

Als Ergänzung zu der oben beschriebenen Übung des bewussten Atmens kannst du sie in dem Moment befragen, wenn du dir deines Atmens bewusst wirst, in dem du dir in dich selbst hinein die Fragen stellst, die dir einfallen oder die du dir ausdenkst. Warum hast du flach geatmet? Wo und wann hast du aufgehört tief zu atmen? Was war der Auslöser? Wie kam es dazu, dass die das gerade in dem Moment bewusst geworden ist? Und dann hast du ein paar Minuten bewusst reflektiert und dir werden dabei jedes Mal wieder neue Einsichten begegnen. Dies ist ein Weg, der insbesondere für verstandesorientierte Menschen geeignet ist. Ein anderer Weg ist, das eigene Empfinden, Fühlen und entstehende Gefühle wahrzunehmen und anzunehmen und hinein spüren. Auch diesen Weg kannst du begehen, auf deinem Weg zu deiner inneren Quelle. Dieser Weg eignet sich insbesondere für empfindungs- und gefühlsorientierte Menschen.

Eines ist noch klar zu sagen: dies sind nur einzelne von mir erkannte Wege und es gibt noch unendlich viele andere Wege. Aber weil es so viele Wege gibt und noch unendlich viele neue Wege auf uns warten, können wir heute Sprachen sprechen und Schriften schreiben und lesen. So kannst du die Wege anderer nutzen, so wie ich ebenfalls einige anderer Menschen nutzte, um schneller zu den Bereichen meines inneren Wachstums zu gelangen, wo neue Wege darauf warten, von mir beschritten zu werden.

Ganz grundsätzlich lässt sich zudem noch sagen. Um dir selbstständig und bewusst Bewusstseinsbereiche zu erschließen, welches immer dauerhafter und vielfältiger wird, kannst du deine Fähigkeit zur Fokussierung und Selbstbefragung bewusst fertigen. Die erste Atemübung ist gleichzeitig eine Übung für Fokussierung.

Beobachtung und bewusstes Beobachten

Schöpfende: Yannick Bennesch und Rebecca Wenk.

Lesezeit circa 5 Minuten.

In diesem Artikel wird die menschliche Fähigkeit zu Beobachten und bewusst zu Beobachten sowie die Beobachtung als Ergebnis des Beobachtens beschrieben, damit du eine Möglichkeit bekommst, sie als Erklärung annehmen und daraufhin für dich selbst nutzen zu können. Unser gemeinsames Ziel in diesem Kapitel ist es, einen Begriff und ein tiefverwurzeltes Verständnis von und über das Beobachten als menschliche Fähigkeit, das bewusste Beobachten als Beobachten 2.0 und die Beobachtung als Ergebnis beider Arten des Beobachtens zu erlangen. Als Schreibender verfolge ich zudem das Ziel, meine Beschreibungen dieser drei Worte und ihrer Bedeutungen so ausführlich wie nötig und gleichzeitig so kurz wie möglich darzulegen. Ein Ziel der Leserin oder des Lesers kann das Interesse an neuen Mitteln und Werkzeugen zur Gestaltung deiner selbst und deiner Wirklichkeit sein.

Einfach zu beobachten bedeutet mit Hilfe der äusseren Sinnesorgane, insbesondere der Augen, Dinge, Vorgänge oder Zusammenhänge in der äusseren Welt aufmerksam wahrzunehmen, ohne die eigene Aufmerksamkeit vorher bewusst auf etwas Bestimmtes gerichtet zu haben. Es handelt sich hierbei demnach um nicht-bewusstes Beobachten und bezieht sich auf die eigene äussere Welt oder Bestandteile von ihr.

Bewusstes Beobachten hingegen kann in zwei Richtungen stattfinden: nach Aussen und nach Innen. Das bewusste äussere und innere Beobachten unterscheidet sich von dem des Unbewussten durch die vorherige Ausrichtung der eigenen Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Ding, einen bestimmten Vorgang oder einen bestimmten Zusammenhang, zu einem vorher bekannten Zweck und einem festgelegten Ziel.

Beobachtungen sind das Ergebnis des Beobachtens in all seinen Formen. Aus Beobachtungen kann Ich selbst und können andere Erkenntnisse gewinnen und Schlüsse ziehen. Diese Schlüsse können weiterverwendet werden, um das eigene innere Wachstum im Umgang mit der eigenen Welt (Aussen und Innen) zu fördern.

Selbst-Beobachtung ist das Ergebnis eines Ichs, welches sich zuvor selbst beobachtet hat. Wenn Ich zuvor die Aufmerksamkeit unbewusst oder bewusst auf das eigene Empfinden, Fühlen, Denken, Handeln und daraus entstehende Folgen gerichtet hat, können als Ergebnis Selbst-Beobachtungen entstehen, aus denen Erkenntnisse gewonnen und Schlüsse gezogen werden können, die das innere Wachstum, losgelöst von Raum, Zeit und Materie, auf eine besondere Weise beflügeln.

Mit den Gedanken, die ein Ich denkt oder mit den Worten, die ein Ich hört, werden Gefühle in dem Ich ausgelöst, die Ich fühlen kann. Durch häufigen Mangel an Ruhe- und Stille-Phasen kann Ich sich selbst nicht oder nur selten wahrnehmen. Wenn Ich seine innere Welt besser kennengelernt hat und sie frei von Bedingungen annimmt, wird Ich nach und nach die Fähigkeit fertigen, all seine Gedanken und Gefühle mit Hilfe des Frage-Wortes „Warum?“ hinterfragen und zu ihren Ursprüngen zurückzuverfolgen. Und mit Hinterfragen ist hier nicht automatisch Infrage stellen gemeint. Das könnte ein zweiter Schritt eines Ichs danach sein. Zuerst aber zurück zu dem ersten Schritt: Hinterfragen. Am Anfang ist es wahrscheinlich, dass es in dir erstmal nur so vor lauter Gedanken und Gefühle schwirrt und Selbstbeobachtung geistig und körperlich anstrengend für dich ist. Auch das ist normal, wenn du dich bisher noch nie in diese deine innere Welt begeben hast. Deshalb fange ganz in deinem Tempo an. Setze dich nicht unter Druck. Jeder innere Druck wirkt hemmend auf dein inneres Wachstum. Warum habe ich mir Notizen gemacht? Ich liebe Schreiben. Ich liebe meine Sprache. Zu Beginn (das war im Frühling 2013) war ich mir überhaupt nicht bewusst darüber, warum ich anfing die Beschreibungen meiner selbst aufzuschreiben. Ich hatte ein großes Skizzenbuch von meiner Mutter geschenkt bekommen als es mir schlecht ging. Also habe ich angefangen meine Gefühle in Worten greifbar zu machen und meine Gedanken aufzuschreiben. Ich habe so mit meinen Notizen zahlreiche meiner eigenen Wachstumsprozesse und der meiner Freundinnen und Freunde dokumentiert und auf diese Weise über Jahre hinweg inneres Wachstum aus der Innenperspektive bei mir selbst und aus der Außenperspektive bei meinen Mitmenschen beobachten können. Ab einer für jede und jeden selbst fühlbaren Stufe der Beobachtungsfähigkeit können wir alle auch aktiv selbst gestalten.

Erkennen und Selbst-Erkenntnis

Schöpfende: Yannick Bennesch und Rebecca Wenk.

Lesezeit circa 20 Minuten.

Dies ist die erste beschriebene notwendige Bedingung und basiert auf einer essentiellen Selbst-Erkenntnis. Damit es deine eigene Selbst-Erkenntnis wird und nicht meine, lade ich lediglich mittels eines Bündels verschiedener Vorschläge für Fragen zum Reflektieren ein. Ich empfehle dir, die nachfolgenden Fragen nacheinander anzugehen und dir Zeit dafür zu nehmen. Am besten ist es, wenn du dich in einem Zeitraum ohne weitere Termine frei von Druck hinsetzt und dich mit diesen Fragen fokussiert zu beschäftigen. Warum? Weil du dann besonders wenig vermeiden und verdrängen möchtest. So hast du die Möglichkeit, auch zuvor verdrängte oder vergessen geglaubte Erinnerungen zugänglich zu machen. Mit Freuds Worten hieße das, zuvor Unbewusstes bewusst zu machen und somit deine Spielräume zu erweitern.

Selbst-Erkenntnis ist das Ergebnis, wenn du deine Fähigkeit zu erkennen selbst und bewusst nutzt, um Dinge, Vorgänge oder Zusammenhänge zu erkennen. Nur du selbst weißt, kannst Verstehen und Begreifen, wann du selbst zu einer Erkenntnis gelangt bist. Mit einigen unterstützenden Impulsen und ein wenig Übung wirst du schnell zu ersten Erkenntnissen über dich selbst gelangen, bevor du beginnen kannst, selbst zu Erkenntnissen von und über deine äußere Mitwelt zu gelangen. Am Anfang dieses Pfades wirst du, sobald du deine Aufmerksamkeit auf Andere und Anderes richtest, weil du glaubst, nun andere heilen zu können, deine bisher unverarbeiteten, vergessenen und verdrängten Erinnerungen und Erfahrungen auf die Anderen und das Andere übertragen. Deshalb lege ich dir wirklich ans Herz, erst einmal mit dir selbst Erfolge zu erzielen, bevor du dich auf deine äussere Mitwelt stürzt.

Es geht an dieser Stelle ausschließlich um dich selbst. Um nichts und niemand anderen. Wenn du vorausschauend handeln möchtest, lege dir Stift und Papier zur Seite, damit du dir Notizen machen kannst. So kannst du dein inneres Wachstum im Verlauf deiner Zeit selbstständig beobachten und erlangst auf diese Weise viel größere Unabhängigkeit von äußeren Vor- und Ratschlägen, die in Sprache übermittelt werden. In der Folge kannst du dich stärker auf dich selbst verlassen.

Wenn du bereit bist, kannst du eine Frage lesen und danach die Augen schließen. Gib die Kontrolle über deine Gedanken ab und lasse die Gedanken kommen und gehen. Lasse sie einfach nur vorbeiziehen und beobachte sie aufmerksam. Du kannst eine vom Ich distanzierte Position einnehmen, wodurch es dir sehr viel leichter fällt, dein Ich urteilsfrei und liebevoll zu beobachten. Ich nenne diese Instanz außerhalb meines „Ichs“ meine Beobachterin. Urteilsfrei bedeutet, dass du keinerlei sprachlich-gedankliche Unterscheidungen machst. Kein schlecht, kein gut. Alles und jedes ist. Liebevoll bedeutet, dass du voller Sanftmut und Demut dir gegenüber bist und annimmst, was kommen mag.

Nimm deine einzigartige und besondere innere Welt bedingungslos an. Sie gehört dir ganz allein und du kannst so oder so nicht vor ihr davonlaufen. Maximal kannst du sie so gut es geht, verdrängen und verleugnen, aber das wird mit der Zeit auch immer anstrengender, aufwändiger und macht alles andere als glücklich. Ich gebe dir mein Wort, dass dir deine neue innere Beobachtungs-Instanz nach einer Weile mehr Klarheit bringen wird.

Ich schreibe an dieser Stelle so deutlich, damit es den Worten und ihrer Bedeutung leichter fällt, sich zu verankern. Wenn sich erst einmal die ersten scheinbar unüberwindlichen Hindernisse als Herausforderungen mit wundervollen natürlichen Anerkennungen entpuppt haben, wirst du leichter verstehen können, warum ich hier so schreibe.

Ideen zur Selbstbefragung

Im Folgenden sind drei unterschiedliche Fragen-Komplexe beschrieben. Die Fragen sind jeweils bejahend und verneinend dargestellt. Der erste Fragen-Komplex besteht aus elf Vorschlägen, kreist um das eigene Ich sowie das echte Selbst. Ob verneinende oder bejahende Frage-Sorte besser wirkt, wirst du am besten durch einen leichten Selbsttest herausfinden. Bei welcher Frage wird in dir etwas ausgelöst? Welche Frage bewegt eine Empfindung, ein Gefühl oder einen Gedanken in dir? Hier gibt es auch eine weitere kleine Herausforderung auf dem Weg des bewusst Bewusstwerdens. Du kannst mit Hilfe deiner Beobachtungs-Instanz nicht nur das bewusste und beschreibbare Ich beobachten, sondern auch Teile des unbewussten Bewusstseins, deines Empfindens, welches ausschließlich von Selbst-Liebe als Kraft angetrieben wird, des Fühlens und entstehender Gefühle, und eben auch des Denkens und entstehender Gedanken. Diese Distanz deiner neu gewonnenen Beobachtungs-Instanz kann dir zusätzlich auch noch die Möglichkeit geben, dunkle Flecken auf der Karte deiner inneren Welt leicht zu erhellen und dir auf diese Weise den Zugang erleichtern. Auch wenn du das jetzt noch nicht so recht begreifst, nimm es einfach auf, ausser du kannst mir nachweisen, dass ich dich kleiner zu machen versuche als du bist.

Der zweite Fragen-Komplex dreht sich um Sein, Sprechen und Handeln in Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit. Wenn dir die Definition eines der Worte nicht ganz geläufig ist, kein Problem. Das geht auch mir immer mal wieder so. Dann schaue ich in den Duden (offline oder online) und wenn das Wort in Lateinisch oder Griechisch ist, schaue ich vielleicht noch nach seinem Ursprung, seiner Herkunft. Ich habe in den letzten vier Jahren erkennen gelernt, wie mächtig Sprache sein kann, wenn derjenige, der sie nutzt, sich seiner eigenen Sprache und seines Sprechens bewusst ist. Erst dadurch, dass sich mein Wortschatz samt all der Wortbedeutungen über die Jahre stark erweiterte und ich immer vielfältiger unterscheiden konnte, wurde es mir möglich bestimmte Gedankenkomplexe bewusst anzusteuern, für die mir viele Jahre vorher die Beschreibungen fehlten. Die Fragen nach Wahrhaftigkeit, Glaub-würdigkeit und Ehrlichkeit gehören zu den essentiellen Fragen auf dem Weg zu dir selbst, denn nur, wenn du wahrhaftig und glaubwürdig du selbst bist, wirst du auch wirklich ehrlich sein, sprechen und handeln können.

Im dritten Fragen-Komplex schlage ich einige Fragen vor, die dich darin unterstützen können, herauszufinden, wie weit du von dir selbst entfernt bist. Andere Fragen können dir Zugang zu stärkerer Empfindsamkeit geben und dir im gleichen Schritt leichteres Erkennen deiner Intuition ermöglichen. Ich lade dich mit diesem Fragen-Komplex zudem dazu ein, deine Aufmerksamkeit auf ganz alltägliche und normale Dinge, Vorgänge und Zusammenhänge zu lenken, um deinem inneren Selbst den Impuls zu geben, sich zu aktivieren und ihre Selbstliebe zu erwecken. Das kann dir dabei helfen, unabhängiger von der Anerkennung und Liebe deiner äusseren Mitwelt zu werden, was dir gleichzeitig den Zugang zu weiteren Spielräumen und Möglichkeiten erleichtern kann.

Erster Fragen-Komplex

  1. Frage: Was bin ich? Was bin ich nicht?
  2. Frage: Wer bin ich? Wer bin ich nicht?
  3. Frage: Warum bin ich? Warum bin ich nicht?
  4. Frage: Wessen bin ich? Wessen bin ich nicht?
  5. Frage: Woher komme ich? Woher komme ich nicht?
  6. Frage: Wo bin ich? Wo bin ich nicht?
  7. Frage: Wohin gehe ich? Wohin gehe ich nicht?
  8. Frage: Wann bin ich? Wann bin ich nicht?
  9. Frage: Was und wer kann ich sein? Was und wer kann ich nicht sein?
  10. Frage: Was und wer werde ich sein? Was und wer werde ich nicht sein?
  11. Frage: Bin ich ich selbst? Bin ich nicht ich selbst?

Notiere dir auch die Stellen, an denen es nicht weiter zu gehen scheint. Schenke auch schlechten Gefühlen Beachtung und nimm auch solche dankbar an. Nimm auch das in den Blick und betrachte es genau und aufmerksam, was erstmal ein Unlust-Gefühl oder  ein Gefühl des Desinteresses auslöst und wo eine innere Stimme sich gern zu Wort meldet und zahlreiche Begründungen und Rechtfertigungen parat hält, um jenes Ding, jenen Vorgang oder jenen Zusammenhang zu umgehen, zu vermeiden und möglichst schnell zu verdrängen. In seinem Extrem kann das so weit gehen, dass ein Mensch beginnt, Wirklichkeiten zu leugnen. Ein solcher Mensch verliert im Laufe der Verdrängung und Verleugnung immer mehr seiner Spielräume. Und sei dir stets bewusst, dass du das hier nicht für den Schreiber der Worte oder irgendeinen anderen tust, sondern ausschließlich für dich selbst und dein inneres Wachstum.

Es geht hier auch darum, dass du klare Positionen für dich selbst beziehst, denn wenn du keine klaren Positionen beziehst, hat jeder Impuls aus deiner äusseren Welt die Wirkung und Macht, in deiner inneren Welt etwas auszulösen. Deshalb haben viele Menschen viele und große Wünsche und erreichen doch nur einige Kleine. Jeden Tag prasseln auf fast jeden Menschen weltweit tausende von Botschaften. Jede Einzelne, die wir nicht-bewusst oder bewusst wahrnehmen, wird auf Grundlage eines Motivs gesendet und hat auf die eine oder andere Art eine Wirkung auf den jeweiligen Empfänger oder die jeweilige Empfängerin. In all diesen täglichen Botschaften sind unzählige miteinander in Konflikt oder in direktem Widerspruch stehende. Da jede und jeder Mensch ein eigenes, individuelles Bewusstsein ist, welches mit allen anderen Bewusstseinen auf einer immateriellen Ebene unserer Wirklichkeit verschränkt ist, haben auch die entstehenden, täglichen Gesamtbilder ihre Wirkung. Wenn wir uns selbst bemächtigen wollen, ist es notwendig zu verstehen und zu begreifen, dass es geradezu unerlässlich ist, die eigenen Ängste, Zweifel, Konflikte und Widersprüche zu hinterfragen. Und dazu ist Liebe zu sich selbst als dauerhafte Kraftquelle und die Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen nötig, denn der auf Gewohnheiten gebaute Verstand will Recht behalten. In Liebe kannst du dir leichter selbst verzeihen, Fehler eingestehen und dich annehmen als würdest du in Angst und Zweifeln verharren.

Zweiter Fragen-Komplex

  1. Frage: Bin ich wahrhaftig? Bin ich nicht wahrhaftig?
  1. Frage: Bin ich glaubwürdig? Bin ich nicht glaubwürdig?
  2. Frage: Spreche ich glaubwürdig? Spreche ich nicht glaubwürdig?
  3. Frage: Handle ich glaubwürdig? Handle ich nicht glaubwürdig?
  4. Frage: Bin ich ehrlich? Bin ich nicht ehrlich?
  5. Frage: Bin ich ehrlich zu mir selbst? Bin ich nicht ehrlich zu mir selbst?
  6. Frage: Bin ich ehrlich zu anderen? Bin ich nicht ehrlich zu anderen?
  7. Frage: Spreche ich ehrlich? Spreche ich nicht ehrlich?
  8. Frage: Handle ich ehrlich? Handle ich nicht ehrlich?
  9. Frage: Beobachte ich selbst das Empfinden, Fühlen, Denken und Handeln, sodass ich für mein inneres Wachstum darüber urteilen kann? Beobachte ich nicht selbst das Empfinden, Fühlen, Denken und Handeln, sodass ich für mein inneres Wachstum nicht darüber urteilen kann?
  10. Frage: Bin ich mit meinem Körper und mir selbst im Einklang? Bin ich nicht mit meinem Körper und mir selbst im Einlang?

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass es durchaus möglich ist, auf bestimmte Fragen keine Antworten zu erhalten oder zumindest scheinbar keine Antwort zu erhalten. Dies kann auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen zu sein. Unter Umständen kannst du dich selbst noch nicht wieder so deutlich wahrnehmen und erkennen. Vielleicht bist du auch geistig irgendwo anders und bist nicht bereit, selbst zu empfangen. Eine andere Möglichkeit ist, dass du bereits mehrfach eine Antwort aus dir selbst heraus bekommen hast, nur du sie leider bisher nicht erkannt hast. Ein anderer Faktor ist das Vertrauen, welches du in dich selbst hast. Wenn du nicht zweifelsfrei an dich selbst glaubst, so hemmt das stets die Kraft, mit der du Ziele so erreichen kannst, wie du sie hervorbringen möchtest. Und wann kannst du wahrhaft glaubwürdig an dich selbst glauben, ohne jeden weiteren Zweifel? Das kannst du, wenn du lernst stets ehrlich zu sagen, was du empfindest, fühlst und denkst, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, was andere aufgrund meiner Wahrhaftigkeit denken, fühlen oder sagen könnten.

Dritter Fragen-Komplex

  1. Frage: Kennst du eine oder mehrere Stimmen in dir? Kennst du nicht eine oder mehrere Stimmen in dir?
  1. Frage: Auf einer Skala von 1 bis 10, wie gut kennst du die Stimmen in dir? Auf einer Skala von 1 bis 10, wie schlecht kennst du die Stimmen in dir?
  2. Frage: Auf einer Skala von 1 bis 10, wie schlecht kennst du die Stimmen in dir? Auf einer Skala von 1 bis 10, wie schlecht kennst du die Stimmen in dir?
  3. Frage: Hörst du eine Stimme oder mehrere Stimmen in dir? Hörst du nicht eine Stimme oder nicht mehrere Stimmen in dir?
  4. Frage: Auf einer Skala von 1 bis 10, wie laut nimmst du die Stimme oder Stimmen wahr? Auf einer Skala von 1 bis 10, wie leise nimmst du die Stimme oder Stimmen  wahr?
  5. Frage: Ist es eine Stimme oder sind es mehrere Stimmen? Ist es nicht eine Stimme oder sind es nicht mehrere Stimmen?
  6. Frage: Wie häufig spricht eine Stimme oder mehrere Stimmen in dir mit dir? Wie nicht häufig spricht eine Stimme oder mehrere Stimmen in dir mit dir?
  7. Frage: Was erzählt dir die Stimme oder die Stimmen in dir? Was erzählt dir die Stimme in dir nicht oder die Stimmen in dir nicht?
  8. Frage: Hörst du deinen Herzschlag? Hörst du nicht deinen Herzschlag?
  9. Frage: Wie häufig hörst du deinen Herzschlag? Wie häufig hörst du nicht deinen Herzschlag?
  10. Frage: Fühlst du deinen Herzschlag? Fühlst du nicht deinen Herzschlag?
  11. Frage: Wie häufig fühlst du deinen Herzschlag? Wie häufig fühlst du nicht deinen Herzschlag?
  12. Frage: Fühlst du deinen Pulsschlag? Fühlst du nicht deinen Pulsschlag?
  13. Frage: Wie häufig fühlst du deinen Pulsschlag? Wie häufig fühlst du nicht deinen Pulsschlag?
  14. Frage: Empfindest du die Kraft der Liebe in dir selbst? Empfindest du nicht die Kraft der Liebe in dir selbst?
  15. Frage: Hast du Ängste? Sind es viele Ängste? Hast du nicht Ängste? Sind es nicht viele Ängste?
  16. Frage: Glaubst du, dass Angst ein ursprüngliches Gefühl ist? Glaubst du nicht, dass Angst ein ursprüngliches Gefühl ist?
  17. Frage: Was sind die Unterschiede zwischen dem, was du bist und dem, was du hast? Was sind die Unterschiede zwischen dem, was du nicht bist und dem, was du nicht hast?
  18. Frage: Wo siehst du Probleme? Wo siehst du keine Probleme?
  19. Frage: Wo muss Veränderung stattfinden? Wo muss Veränderung nicht statt-finden?
  20. Frage: Liebst du dich selbst? Liebst du dich nicht selbst?
  21. Frage: Welche Bedingungen knüpfst du daran, dich selbst lieben zu können? Welche Bedingungen knüpfst du daran, dich selbst nicht lieben zu können?
  22. Frage: Kannst du dich selbst so annehmen, wie du immer jetzt gerade bist? Kannst du dich selbst so annehmen, wie du immer jetzt gerade nicht bist?
  23. Frage: Kannst du annehmen, dass du selbst jetzt immer beides bist, was du gerade  nicht bist und was du gerade bist? Kannst du nicht annehmen, dass du selbst jetzt immer beides bist, was du gerade bist und was du gerade nicht bist?

In den ersten Fragen-Vorschlägen dieses dritten Komplexes geht es um die innere Stimme oder die inneren Stimmen. Jedes sprachmächtige Menschenkind baut sich ein eigenes Ich zusammen. Von diesem Ich sprechen Menschen immer, wenn sie sprechen. Das gegenwärtige Ich bei den meisten Menschen umfasst nur ihr bewusstes Bewusstsein. Spreche ich einen solchen Menschen auf einen Aspekt an, dessen er sich nicht bewusst sein will, wird er mit Wut und möglicherweise sogar Aggressionen antworten, ohne wirklich zu verstehen, warum er so reagiert. So haben die meisten Menschen in den westlichen Kulturen ihre Geist gespalten, in einen bewussten und einen unbewussten Teil. Das Es oder auch das Unbewusste umfasst dabei den umso größeren Anteil am Geist, denn er ist in großen Teilen nicht wort-sprachlich erfasst und kann deshalb nicht besprochen werden. Im bewussten Teil des Geists lagern all die Beschreibungen, die solch ein Mensch über sich zu geben vermag. Der bewusste Teil lässt sich noch einmal weiter unterscheiden. Einmal in unbewusst bewusster Geist (unbewusstes Bewusstsein) und in bewusst bewusster Geist (Bewusstes Bewusst-sein). Das du das jetzt liest, ist Teil deines bewussten Bewusstseins und beispielsweise das Atmen lässt sich für gewöhnlich dem unbewussten Bewusstsein zuordnen. Das unendliche und ewig Unbewusste lässt sich ebenfalls in zwei Teile unterscheiden. Einmal in das bewusst Unbewusste (bewusster unbewusster Geist) und in das unbewusste Unbewusste (unbewusst unbewusster Geist). Hier ist beispielsweise die chinesische Sprache etwas, von dem ich weiß, dass ich es nicht weiß und deshalb nicht chinesisch sprechen kann. Hingegen gehört in das unbewusste Unbewusste all das, von dem ich hier aus dem Grund nicht schreiben kann, weil ich noch nicht einmal davon weiß, dass es existiert. Diese Unterscheidungen sind nicht wirklich. Sie können nur im Denken vorhanden sein und dort sind sie auch sehr nützlich. Sie bieten dir die Möglichkeit, durch die Unterscheidungen neue Erkenntnisse, neues Wissen über deinen und von deinem Geist als Ganzen zu erfahren. Ebenso ist es mit deiner inneren Stimme. Wenn du sie zulässt und bereitwillig annimmst, wirst du früher oder später ein Wunder erleben, das dich in Staunen versetzen wird. Wenn du sie gar nicht hörst, bist du noch sehr weit weg von dir selbst. Je lauter sie wird, umso näher bist du bei dir selbst. Mit Hören meine ich jedoch nicht nur hörbare Worte, sondern auch alle anderen Formen von Sprachen, in der sich diese Stimme oder Stimmen ausdrücken. Sie sind auch keineswegs ausschließlich in deiner inneren Welt zu finden, sondern ebenso können sie sich in deiner äusseren Mitwelt ausdrücken.

Die Fragen zu Herz- und Pulsschlag können dir einen Maßstab darstellen, anhand dessen du erkennen kannst, wie sehr du mit dir selbst im Einklang bist. Wenn du nämlich mit dir selbst im Einklang bist, dann hörst und fühlst du Herz- und Pulsschlag, je nachdem wohin du deine Aufmerksamkeit lenkst.

Die Frage nach der Selbstliebe ist eine der wichtigsten. Liebst du dich selbst bedingungslos? Wenn du diese Frage mit einem klaren, wahrhaftigen, glaubwürdigen und ehrlichen „Ja“ beantworten kannst, hast du dein neues Zentrum in deinem eigentlichen Zentrum deiner selbst wiedergefunden. Dann kannst du dir selbst ohne Probleme Fehler eingestehen und dir selbst verzeihen, denn du bist du stets bewusst, dass alles genau jetzt ist, wie es ist, und das alles immer jetzt gut ist.

Angst ist ein sehr spannendes Phänomen unseres Geistes. Es hat sich ebenso wie die Kraft der Liebe im Jetzt aufgehoben und von vielen Menschen wird sie schnell abgetan. Sie behaupten dann eifrig, dass sie keine Angst hätten. Doch schon an ihrer schnellen und scheinbar allgemein gültigen Antwort lässt sich erkennen, dass diese Antwort ganz sicher nicht richtig ist. Jeder Mensch hat auch Ängste. Dahinter steht häufig ein für denjenigen vorerst unsichtbares Konstrukt, welches auf der Vermeidungsstrategie aufbaut.

annehmen ist akzeptieren

schöpfer: yannick bennesch

lesezeit circa 35 minuten.

ich hatte fünfzehn harte jahre durchlebt, als ich mich dieses jahr mir zuwandte. durch bewusste auseinandersetzung mit mir, begann ich mich zu akzeptieren (anzunehmen) und reflektierte von diesem punkt an immer bewusster meine gefühle und gedanken, handlungen und handlungsmuster. das führte im märz 2013 zu einer fast schlagartigen veränderung in meiner wahrnehmung. es wirkte auf mich und in mir, wie ein über viele jahre vorbereiteter großer schritt in der entwicklung meines bewusst-seins.

ich bin und werde seitdem täglich bewusster.

als ich durch den film „collapse“ von dem modell der „fünf phasen des sterbens“ erfuhr, erkannte ich darin die möglichkeit, diese fünf phasen auf das sterben von charakterzügen zu übertragen. nachdem ich diesen film gesehen hatte, wurde mir dieser möglichkeit bewusst und um mir das erst einmal zu ver-deutlichen, fing ich an meine jugend zu reflektieren.

in diesem essay beschreibe ich anhand meines bisherigen lebens, wie ich diese fünf phasen wiedererkannte, wie ich diese im nachhinein reflektierte und daraufhin begann mich anzunehmen (akzeptieren).

akzeptieren bedeutet begreifen und verstehen. wenn ich akzeptiere, begreife und verstehe ich etwas oder je-man-den. Wenn ich nicht akzeptiere, begreife und verstehe ich etwas oder jemanden nicht.

in zahlreichen gesprächen mit menschen in meiner umwelt überprüfte ich seither diese feststellung und kam dabei zu dem ergebnis, dass ich kein einzelfall bin, auf den sich dieses modell übertragen und zur entwicklung und zum loslassen nutzen lässt.

[begründung: ich schreibe alles klein, weil ich durch die großschreibung bestimmter worte, diesen worten größere wertigkeiten beimesse. diese wertung will ich nicht vornehmen. auch an satzanfängen schreibe ich klein, da ich den anfängen von sätzen ebenfalls keine besondere bedeutung zuschreiben will. ich will damit verdeutlichen, dass satzanfänge gleich-bedeutend mit satzmitten und -enden sind.]

ich entwickelte die fünf phasen des akzeptierens in anlehnung an die fünf stufen des sterbens („the five stages of grief“). erschaffen hat sie elisabeth kübler-ross, die als begründerin der sterbeforschung gilt. sie setzte sich zeit ihres lebens mit dem tod und dem umgang mit sterbenden, sowie mit trauer und trauerarbeit auseinander. dafür entwickelte sie das modell der fünf phasen des sterbens, um den sterbenden und den trauernden bewusst machen zu können, wie es sich mit dem tod leichter umgehen lässt.

die erste phase ist die des leugnens (denial). in dieser phase wollen menschen das sterben nicht wahrhaben. die zweite ist die phase des zorns (anger). menschen fragen sich, weshalb gerade sie oder eine bestimmte andere person stirbt oder sterben wird und sind deshalb wütend und zornig. verhandeln (bargaining) stellt die dritte phase dar. in dieser phase verhandeln menschen mit sich selbst, zwischen kann ich das sterben akzeptieren und kann ich das sterben nicht akzeptieren. die vierte phase ist die phase der depression (depression). in dieser phase trauern menschen und sind deprimiert. akzeptieren (acceptance) ist die fünte phase. in dieser phase können menschen akzeptieren, dass sterben sterben ist. das sind die fünf phasen. sie haben keine abgrenzungen voneinander, sondern „verschwimmen“ von mensch zu mensch unterschiedlich ineinander.

wir menschen können diese phasen bei uns selbst erkennen, in dem wir unsere handlungen in der vergangenheit und in der gegenwart bewusst reflektieren und hinter-fragen. daraus entsteht die möglichkeit, punkte in der entwicklung zu erkennen, an denen menschen sich befinden. ich behaupte, menschen können bewusst die eigene perspektive verlassen und sich in jede andere mit uns kommunizierende perspektive hinein-fühlen und mitgefühl entwickeln. mitgefühl ist wichtig, um akzeptieren zu können, weshalb menschen handeln, wie sie handeln.

auch ohne menschen näher zu kennen, lässt sich anhand der sprache, von aussen erkennen, wie es menschen geht und welche gefühle menschen stark ausgeprägt in sich tragen. dabei stelle ich immer wieder fest, dass viele menschen nicht bewusst daran arbeiten, ihr bewusstsein zu entwickeln. zeitmangel führt zu mangel an bewusstsein für bewusstes sein. wir wissen das ein großer teil unserer gedanken und handlungen unbewusst abläuft. wir können uns das bewusst machen und es verstehen, dann können wir es verändern.

sprache ist nicht nur das was aus unserem mund kommt. sprache ist mehr, viel mehr. jede handlung ist sprache. einzeln und im ganzen. anhand der handlungen lassen sich handlungsmuster erkennen, die sich wiederum gefühlen zuordnen lassen. in allem was wir menschen tun, steckt unsere eigene wertung. alles was wir menschen tun ist subjektiv. sensibilität und mitgefühl ermöglichen es, den subjektiven teil der sprache bewusst wahrnehmen, bewerten und einordnen zu können.

Im folgenden zeige ich anhand vergangener, ausgewählter ereignisse, die fünf phasen auf.

bis vor ein paar jahren konnte ich nicht mit meiner sensibilität umgehen. ich habe mit elf das erste mal gekifft. von da an habe ich bis in mein neunzehntes lebensjahr fast täglich gekifft. dadurch war ich betäubt, sodass es dieser auseinandersetzung nicht erforderte. zu dieser zeit waren widersprüche in abhängig-keit zu meinen eltern vorhanden und mir fehlte das wissen, um sie auf diese widersprüche aufmerksam zu machen.

zu dieser zeit war wladimir einer meiner wenigen weggefährten. mit ihm verbrachte ich damals verdammt viel zeit. gemeinsam fingen wir an im internet zu recherchieren und eine reportage nach der anderen zu schauen. wir waren ständig auf der suche nach antworten auf unsere unendlich vielen fragen. wir suchten eine alternative zu den nachrichten, die uns die massenmedien zu liefern versuchten. Wir stellten immer mehr fest, dass es auch andere nachrichten und sichtweisen gibt, von denen wir in den massenmedien kaum etwas erfahren.

immer wieder fragten wir uns, was wir glauben sollten und wem wir vertrauen könnten. mit diesen recherchen endete etwas später die phase des leugnens, in der ich versuchte „meine augen vor dem was ist zu verschließen“. Ich nahm schon länger etwas wahr. zu der zeit war ich noch nicht in der lage es in worte zu fassen, um es auszusprechen.

mittlerweile bin ich mir sicher, dass dieses gefühl dafür stand, dass hier irgendetwas schief lief.

Im nachhinein betrachtet, begann ich an dieser stelle zu verstehen, dass mein bewusstsein nicht mit meinen handlungen im einklang stand. zwischen bewusstsein und handlungen waren riesige nicht akzeptierte widersprüche zu erkennen.

zu der zeit begannen die phasen des zorns, des verhandelns und der depression. meine stark ausgeprägte sensibilität führte dazu, dass sich zorn und depression „nebeneinander“ aus-prägten.

damals spielten ganz andere dinge eine rolle in meinem leben. fragen wie diese: wieviel geld kann ich aus einem kilo machen? habe ich genug tüten? wie oft haben meine handys schon geklingelt? steht schon wieder ein fremdes auto mit mensch vor der haustür meines elternhauses? was kann ich mit dem profit tun? woher kriege ich andere drogen? wo ist die party? welches mädchen nehme ich mit nachhause? oder gehe ich lieber mit zu ihr? welche djs sind in der stadt? gehe ich zur schule? bleibe ich liegen? ziehe ich eine „line“ und fahre los? auch noch eine mische durch die bong?

in dieser zeit spiegelt sich zorn und depression gleichermaßen wider. aus zorn fing ich an mich zu zerstören in dem ich immer mehr drogen konsumierte. ich ging risiken ein. immer mehr risiken. aus risiken wurden gefahren. aus zorn auf alles begann ich das risiko in kauf zu nehmen, auch anderen menschen zu schaden.

die depressionen hielt ich so gut ich konnte unter kontrolle, in dem ich viel rauchte und dann zu härteren drogen griff. betäubt wollte ich sein. darum ging es zu dieser zeit. ich wollte nichts spüren und nichts denken.

diese phasen haben ihre jahre gebraucht. Im sommer 2006 flog ich nach rio de janeiro, kalter entzug, das hatte ich mir vorgenommen. von allem runterkommen binnen einiger wochen. dazu noch ein so weit entferntes land sehen. das war meine chance. es funktionierte. ich kam wieder und nahm keine drogen mehr.

am 11.11.2006 jedoch, zwei monate nach dem ich meinen führerschein bestanden hatte, kam ich mit dem auto meiner eltern in einer engen kurve von der straße ab und krachte mit der fahrerseite gegen einen baum. dabei brach ich mir das linke becken doppelt, die linke schulter doppelt und zertrümmerte mir den ersten halswirbel. danach lag ich auf der intensiv-station und die ärzte sagten, es sei ein sehr ungewöhnlicher bruch, sie hätten bisher keine bilder von einem lebenden mit einem solchen bruch gesehen und ich hätte wohl so einige schutzengel gehabt, dass ich überhaupt noch lebe. später stellte sich heraus, dass am unfall-ort zwei krankenwagen waren, der eine kam aus geesthacht und der andere aus bergedorf. Einer war also aus schleswig-holstein und einer aus hamburg. von meinem beifahrer erfuhr ich, dass die krankenwagenbesatzung aus schleswig-holstein mich nach geesthacht ins dorfkrankenhaus bringen wollte. die kranken-wagenbesatzung des hamburger kranken-wagens wollte mich ins unfallkrankenhaus boberg fahren.

die ärzte in boberg sagten mir auch noch, dass es tödlich für mich gewesen wäre, wenn sie mich nach geesthacht gebracht hätten, weil sie dort das gerät um meinen bruch festzustellen, nicht gehabt hätten.

nun war ich erst an das bett und dann irgendwann an den rollstuhl gefesselt. ich musste in der schule ein jahr wiederholen. alles brach wieder in sich zusammen. kein auto fahren, nachdem ich mich solange darauf gefreut hatte. keine bewegung vorüber-gehend, ohne gewissheit, ob es überhaupt wieder wird. ein jahr länger bis zum schul-abschluss.

im krankenhaus dachte ich erstmals mit klarem kopf darüber nach, warum mein leben bis zu diesem zeitpunkt so war wie es war und warum es ist wie es ist, was der sinn meines lebens ist, warum ich überlebte, warum ich drogen nahm, warum ich es derart exzessiv machte und warum sich ausser meinem engsten kreis, keiner von den menschen blicken ließ, von denen ich damals dachte es wären freunde.

der unfall und die zeit danach warfen mich wieder vollkommen zurück in die depression. doch sie hatte neue ausmaße angenommen. da ich ständig kopfschmerzen hatte, fing ich wieder an zu kiffen bis ich wieder beim täglichen konsum angekommen war. dann ging alles ganz schnell.

ich geriet an einen menschen von dem ich tausende pillen kaufen konnte, für unglaublich wenig geld pro stück. ich brauchte beschäftigung. also fing ich an diese pillen in größeren mengen zu kaufen und zu verkaufen und so landete ich auch wieder in meinem alten „freundeskreis“.

der weg bis zum konsum war damit auch nicht mehr weit und steigerte sich schnell wieder auf fünf, sechs tage pro woche auf drogen. kiffen ist kiffen. ich schließe kiffen nicht in das drogen nehmen ein. kiffen war zu dieser zeit längst wieder alltäglich. ich war immer mit dem auto unterwegs. mir war alles egal. das lebens-motto zu dieser zeit: „mehr geht immer. wenn’s auf der einen seite wieder rausrieselt, einfach andere seite nehmen…“.

im nachhinein nenne ich das zerstörung. selbstzerstörung und zerstörung anderer. zu dieser zeit war mir alles egal. ich wusste nicht, ob die schmerzen wieder aufhören würden und ob ich meinen hals wieder vollständig bewegen können würde.

damals traten zorn und depressionen wieder in erscheinung. noch einmal waren sie heftiger als zuvor. bis mitte des jahres 2008 dehnten sich diese schübe des zorns und der depressionen aus. im herbst endete die phase des zorns mit einem knall.

ehemalige freunde brachen bei meinen eltern ein als sie im urlaub waren. ich feierte in der nacht auf einer open-air im freihafen. sie räumten das haus aus. fernseher, computer, laptops, schmuck und weiteres. ich kam morgens auf einem pilztrip nachhause und stellte entsetzt fest, dass die haustür offen stand. Ich fragte mich selbst, ob ich die tür zu schließen vergessen hatte, doch schon hinter der haustür begannen fußabdrücke. auch alle meine drogen waren weg. so verschwand in dieser nacht auch mein kapital.

an diesem punkt in meinem leben kam nur noch eine option in frage. raus, raus aus dieser szene. raus aus diesen kreisen. die gedanken, die ich in der darauffolgenden woche hatte, sie ließen mich das gefühl haben nicht mehr runter zu kommen von dem pilztrip. fünf tage ohne schlaf später, ohne eine weitere droge zu konsumieren, entschied ich mich mir einen flug nach london zu buchen und zu meiner exfreundin zu fliegen. ich wollte nur noch raus, raus aus dieser wirklichkeit.

es war eine gute entscheidung, denn als ich wieder zurück in deutschland war, konnte ich normal schlafen. zu dieser zeit entschied ich mich das erste mal bewusst für eine veränderung. ich begann mein leben zu ordnen. das erste mal begann ich etwas bewusst zu akzeptieren. ich akzeptierte, dass ich mein leben verändern wollen muss, damit es sich verändert. das war meine erste bewusste auseinandersetzung mit dem gefühl der akzeptanz.

die darauffolgenden jahre plätscherten so dahin. ich baute etwas neues auf. ich machte wahr, was ich mir vorgenommen hatte und blieb dieser szene fern. in diesem sommer schaffte ich, trotz aller fehlstunden, mein abitur. im herbst flog ich nach australien, wo ich den entschluss fasste einen weiteren gedanken in die tat umzusetzen. ich flog wenige wochen später wieder zurück und setzte mich intensiv mit existenzgründungen auseinander. ich erarbeitete ein geschäftsplan und gründete nordic cross entertainment in einem leicht verschachtelten firmenkonstrukt, um steuern zu sparen. Dabei stellte ich fest, dass ich verstanden hatte, was mir auf dem wirtschaftsgymnasium beigebracht wurde.

im sommer gab es immer das sommerloch, da unsere kunden während der sommerferienzeit kaum veranstaltungen machten. das ermög-lichte mir, viel zu lesen, zu recherchieren, mich zu informieren, um nach und nach noch mehr zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen.

zwei jahre in der veranstaltungsbranche haben mir vieles gezeigt. wie es in unserem wirtschaftssystem abläuft. wie die menschen sich gegenseitig ausbeuten. wie menschen andere tiere ausbeuten. wie menschen pflanzen ausbeuten. wie menschen die fossilen und mineralischen ressourcen ausbeuten. In diesen zwei jahren wurde mir durch eigene erfahrungen bewusst, was ich aus bwl noch nicht verstanden hatte. die oberste handlungs-maxime ist profitmaximierung. Die meisten streben bewusst oder unbewusst das gleiche ziel an.

knapp zwei jahre nach der gründung bot sich mir die chance, die selbstständigkeit an den nagel zu hängen und das zu tun, was ich wirklich wollte. die welt verändern.

ich informierte mich über studiengänge und erfuhr von umweltwissenschaften. in lüneburg ging ich zum test. besonders gefiel mir in lüneburg die ausrichtung auf humanwissen-schaften, da ich mich schon immer für menschen interessierte. schon viele jahre fragte ich mich, weshalb wir menschen derart mit uns selbst und unserer umwelt, unserer lebensgrundlage umgehen.

in lüneburg bot sich mir die chance mich innerhalb meines studiums mit dieser für mich spannenden frage auseinanderzusetzen. so begann ich mein studium in lüneburg. in den ersten drei semestern gab es unglaublich viel faktenwissen.

und zu diesem zeitpunkt, vier semester später, saß ich an einem schreibtisch und schrieb diesen text.

für das vierte semester nahm ich mir vor, mehr zu tun als für die semester zuvor. der anfang des semesters unterschied sich nicht großartig von den vorigen semestern. alles war wie sonst auch. bis zur ersten ethikvorlesung.

nach der ersten ethikvorlesung begann der wandel, so fühlte es sich an. es ging in der vorlesung um wertungen. der dozent erklärte, dass wir bewusst darauf acht geben könnten, wann wertungen vorgenommen werden, egal ob von uns selbst oder von anderen. er erzählte uns, dass wir selbst entscheiden könnten diese wertenden worte auch als diese wahrzunehmen. auch sagte er uns, dass diese wertungen unseren aussagen häufig jegliche objektivität nehmen, weil nur noch meinungen und gefühle übrig bleiben.

all das tat er mit dieser autorität, die er durch seine position erhält und verursachte damit bei den studierenden unbehagen. studierende fühlten sich angegriffen oder auf den schlips getreten.

nach der vorlesung im gang, der dozent war zügig verschwunden, standen andere stu-dierende und sprachen über die vorlesung. ich hörte einen spruch, der mir bis heute im gedächtnis blieb: „man ist das ein arschloch!“.

daraufhin begann ich die wirklichkeit, in der ich bisher lebte, immer weniger zu verstehen. es war der perfekte widerspruch. und das ohne auch nur ein einziges hinterfragen dieser aussage. ich war nicht der einzige der drum herum stand. keiner sagte etwas dazu und ich dachte: „das kann doch nicht sein. der dozent hat uns eineinhalb stunden etwas über wertungen erzählt und was tun andere studierende? sie sprechen eine derart schwerwiegende wertung, wie arschloch, aus“. in diesem moment musste ich mich innerlich festhalten, um nicht von dieser gedankenlosigkeit mitgerissen zu werden.

an diesem tag begann eine entwicklung, in der entwicklung meines bewusstseins. die folgenden wochen waren unglaublich und wertvoll, deshalb beschrieb ich sie. an diesem abend verstand ich, was widersprüche sind und ich begann mich bewusst mit diesen auseinander zu setzen.

ich lebte im widerspruch, mein ganzes leben ein riesiger widerspruch. erste ansätze in die richtige richtung, jedoch nicht richtig umgesetzt. ich dachte über die widersprüche in meinem leben nach und mir kam ein spruch in den sinn, den mir meine mutter auf einer postkarte schenkte:

„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal“.

irgendwie passte der spruch perfekt in diesen zusammenhang. die widersprüche sind überall. sie sind in meinen gedanken. sie sind in der menschengemachten oder -beeinflussten welt sichtbar und auch in gesprächen hörbar. wir leben seit jahrhunderten mit diesen widersprüchen. sie sind zur wirklichkeit vieler menschen geworden.

diese widersprüche in meinen gedanken sind in mir zu worten geworden. die worte wurden daraufhin zu handlungen. die handlungen wurden zu handlungsmustern und dann zu gewohnheiten, als ich diese handlungen öfter ausführte. und mit der zeit entwickelte sich aus den gewohnheiten mein charakter.

meine sensibilität zeigte mir immer deutlicher, weshalb ich vor langer zeit begonnen hatte, mich selbst zu hassen. unterbewusst war mir scheinbar klar, dass dieser charakter aus handlungen und handlungsmustern entstand, die nicht im einklang mit meinem bewusstsein waren. diese riesigen widersprüche sind wie tag und nacht, und die starke sensibilität ist die nacht. sie bedingen einander, doch der bewusste umgang mit beiden ermöglicht es die balance zu finden und zu halten.

an diesem abend schaute ich den film „collapse“, ein eineinhalbstündiges interview mit michael ruppert. am ende des films erläutert er das modell von elisabeth kübler-ross, die fünf phasen des sterbens . an diesem abend lernte ich das modell der fünf phasen kennen. elisabeth kübler-ross wandte das modell bei sterbenden und deren angehörigen an. ich wendete es nun bewusst auf mich selbst an. genauer. auf das sterben von charakterzügen. durch das bewusstsein, was ich an diesem abend für den prozess des akzeptierens zu entwickeln begann, erreichte ich die fünte phase. ich fing an zu verstehen und mich zu akzeptieren.

ich lag im bett und ließ den tag revue passieren. ich schlief ein.

am nächsten morgen hatte ich den entschluss gefasst, bis zum ende des semesters in der lage zu sein, mit dem ethikprofessor auf augenhöhe diskutieren zu können. ich sah in ihm nicht das arschloch von dem die anderen redeten. ich sah in ihm einen menschen der uns von seinen erkenntnissen erzählt. er will uns, genau wie alle anderen dozenten, das mit auf den weg geben, was er als gut bewertet hat.

der ethikprofessor hat seine eigene art, er mag nicht immer der umgänglichste sein, aber wen stört es? menschen sind menschen. alle haben ihre eigenarten. welchen nutzen hat es sich darüber gedanken zu machen?

nach der ersten vorlesung, in der er über wertungen und den bewussten umgang mit gedanken und allem daraus entstehenden sprach, sagte er etwas zu uns, dass ich so wahrnahm: es könnte sinnvoll sein, wenn ihr […die texte…] lesen würdet, damit wir nächste vorlesung darüber sprechen können.

bei anderen studierenden konnte ich feststellen, dass sie es so wahrgenommen hatten als sollten sie die texte lesen. Viele von ihnen machten dann daraus, sie müssten die texte lesen.

in den folgenden vorlesungen wurden wir immer weniger anwesende, wenige hatten die texte gelesen oder nahmen aktiv an der vorlesung teil. es schien so zu sein als nahmen es die meisten als eine zwangsveranstaltung wahr, die sie besuchen müssen, um ihren bachelor zu bekommen. im weiteren verlauf des semesters war vorerst alles so wie sonst. zumindest schien es so zu sein.

ich war motiviert und so las ich die texte, die der ethikprofessor uns an die hand gab. von plato, sokrates, aristoteles, kant, rawls, ott und weiteren. direkt nach dem lesen konnte ich nicht in eigenen worten wiedergeben, was ich gelesen hatte. es dauerte einige zeit, bis ich es verstand.

dann kam die attac aktionsakademie 2013 und wurde zum bisherigen höhepunkt dieses jahres. anfang mai, dienstag uni und mittwoch ging es los. dienstag abend gab es noch einmal drei stunden input in ethik. mit vollem kopf ging es nachhause, sachen packen und schlafen gehen. ich habe lange wach gelegen an diesem abend und folgte meinen gedanken bis ich einschlief.

am nächsten morgen startete ich in richtung hamburg-volksdorf und kam gegen frühen nachmittag dort an. ich konnte sogar noch den nachmittagsworkshop mitmachen. abends lernte ich madita und patrick kennen. mit beiden verstand ich mich auf anhieb sehr gut.

mit madita verbrachte ich den mittwoch abend und die halbe nacht mit wein und zigaretten auf der bank vor der tür. bis um vier redeten wir miteinander. über uns, über die menschen und über die welt. dabei stellten wir immer wieder gegenseitig fest, dass wir das aussprachen, was der andere auch gedacht hatte.

an diesem abend begannen nicht nur die gedanken sich zu strukturieren, ich entdeckte die fähigkeit, diese gedankengänge zusammenhängend aussprechen zu können. das war ein unglaublicher abend und es entwickelten sich unglaubliche gefühlsstürme in meinem bauch.

noch nie zuvor in meinem leben habe ich mich so leicht gefühlt wie an diesem abend. als ich um vier im bett lag konnte ich es noch nicht glauben, was passiert war. wie lange hatte ich mir das vorher gewünscht?

um halb acht ging es wieder hoch. ich bin aufgewacht und war erstaunt über das was mit mir geschah. auf einmal war vieles so viel klarer in meinem kopf. Ich konnte plötzlich viele zusammenhänge erkennen. ich hatte ein gefühl in meinem bauch als würde ich gerade auf einen lsd-trip kommen. kribbeln unter der haut, kribbeln im bauch. unglaubliche gefühle stiegen in mir auf. im kopf wuselten unzählige gedanken umher. es war wie ein sturm der über nacht ordnung in das chaos meines kopfes, und gleichzeitig meines lebens, brachte. ich freute mich regelrecht aufzustehen und den tag zu beginnen. und das nun auch ohne drogen.

ich nahm mein handtuch und ging kalt duschen. ich zog mich an und legte mich vor dem gebäude auf den boden, in den schein der aufgehenden sonne. ich fühlte mich gut. unfassbar gut.

seitdem wurde jeder tag zu einem abenteuer. in der uni verstehe ich seitdem regelmäßig die welt nicht mehr und nach der reflektion wieder neu. an jedem tag verändert sich sehr viel. ich versuche seitdem so viel wahr-zunehmen wie ich kann. tag für tag übe ich gezielt noch bewusster wahrzunehmen.

in der ethikvorlesung fielen die begriffe der hermeneutik und der mäieutik. die herme-neutik, die lehre des verstehens und die mäieutik, die kunst des fragen stellens. ich ging in die bibliothek und lieh mir ein buch zur hermeneutik aus. zur mäieutik fand ich nichts. mittlerweile weiß ich, dass ich nach der sokratischen methode hätte suchen können, um bücher zu finden.

ich las also das buch über hermeneutik und lernte das verstehen zu verstehen. im internet recherchierte ich zur mäieutik und las einige texte. einigermaßen bekannt war mir die methode bereits, da der ethik-professor sie in der vorlesung nutzte.

mein bewusstsein braucht zeit, um neue informationen zu verarbeiten. ich machte mir bewusst, worüber ich mir bewusst war und stellte es meinen handlungen gegenüber. ich stellte fest, dass ich zwar großes bewusstsein für sehr vieles habe, es jedoch kaum zusammenhänge zu meinen handlungen gab.

erkennen konnte ich fast nur widersprüche. ich zähle das auf, wo ich schon versuchte mein bewusstsein mit meinen handlungen in einklang zu bringen. meinen nahrungsmittel-konsum, fleischkonsum, kleidung, mobil-telefone und feiern gehen. ich stieß auf den begriff konsequenz und machte mir bewusst, welche bedeutung dieser hat.

so lernte ich, dass ich konsequent bin, wenn ich mir ein ziel setze und dieses ziel verfolge bis ich es erreiche. und ich lernte, dass ich reflektierte, dass ich in der vergangenheit sehr inkonsequent war und vieles nicht umgesetzt habe, was ich als gedanken oder worte im kopf hatte.

mit der kenntnis darüber ist es mir plötzlich wichtig, daran konsequent etwas zu ändern und bewusst konsequenzen zu ziehen, wenn diese notwendig sind. bei diesen gedanken kam ich auf meinen willen und begann über meinen willen nachzudenken.

was ist der wille überhaupt? jeder mensch hat ihn, aber wer kann ihn ohne ebenfalls zu definierende worte definieren? ich kann etwas von mir wollen, denn wenn ich etwas von etwas anderem will, dann kann es sich gezwungen fühlen und das steht der freiheit gegenüber. ich will alles können und ich kann alles von mir wollen. die begriffe zwänge und freiheit, das eine nimmt dem anderen die existenz. wenn zwänge herrschen, nimmt es der freiheit die freiheit. wenn alles frei ist, können zwänge nicht existieren. wenn ich mich leiten lasse von der wirklichkeit werde ich beherrscht. wenn ich frei bin, kann ich alles tun, was ich will, solange ich dabei nicht die freiheit von etwas anderem einschränke. wenn der zustand freiheit ist, dann ist das einzige was diesen einschränkt die freiheit, wenn sie soweit geht, dass die freiheit freiheit einschränkt.

noch häufiger wurde meine freiheit durch mein eigenes ego eingeschränkt. es verleitet mich dazu, auf gewohnte handlungsmuster zurückzugreifen, weil das ego sagt: du bist der beste, du machst alles richtig. ich reflektierte mein eigenes ego, ließ mich bewusst darauf ein und übte bewusster auf mein ego acht zu geben. nach einigen tagen bemerkte ich erste veränderungen und täglich werden es mehr.

in weiteren gedanken setzte ich mich mit meinem menschen- und weltbild auseinander.

mein menschenbild ist das bild, dass ich von mir habe, wenn ich versuche möglichst ehrlich zu beschreiben wer ich zu einem bestimmten zeitpunkt bin, wie ich denke, was ich von natur aus bin und was mich ausmacht. jeder mensch hat ein eigenes menschenbild.

das weltbild ist das bild, wie ich die welt sehe, auch ein weltbild hat jeder mensch ein eigenes. ich beschreibe mein altes und mein neues menschen- und weltbild. wenn ich betrachte wie ich lange jahre war, dann erkenne ich einen menschen, der sich der höchsten spezies zugehörig fühlte. ich erkenne einen menschen, der die gesamte existenz auf den eigenen nutzen ausgerichtet hatte und der sich selbst als etwas sah, dass mit mehr rechten ausgestattet ist als alles andere. damit konnte ich rechtfertigen, weshalb ich durch meinen konsum andere menschen, andere tiere, andere pflanzen und alle anderen dinge ausbeuten konnte. Ich sah mich nicht als teil des ganzen, sondern immer isoliert, als mensch über den tieren, über den pflanzen und über den anderen dingen, die ich als nicht-lebewesen bezeichnet hätte.

heute habe ich ein anderes menschen- und weltbild. ich sehe mich selbst als teil des ganzen. alles ist besonders. ich habe nicht mehr rechte als alles andere, ich habe mehr verantwortung. weil ich so vieles nicht verstehen kann habe ich nicht das recht, über anderes zu herrschen und es auszubeuten, sondern die verantwortung rücksichtsvoll mit allem anderen umzugehen. ich wünsche mir eine herrschaftsfreie welt, in der alles gleichgestellt ist und in wechselbeziehungen friedlich und in freiheit miteinander lebt.

wenn ich betrachte, was in der welt geschieht, dann sehe ich menschen, die ihre eigene lebensgrundlage zerstören. um es klar auszudrücken, unsere entwicklung führt uns direkt in den globalen genozid. das wirtschaftssystem hat als höchste handlungsmaxime die profitmaximierung zum ziel. ich sehe eine industrialisierte welt, in der den menschen das geld und der kurzfristige eigene nutzen wichtiger ist, als die langfristige erhaltung der lebensgrundlage für uns und die nachfolgenden generationen der tiere, pflanzen und anderen dinge. zwischen kurzfristigem und langfristigem denken scheint maß und mitte verloren gegangen zu sein.

zum beispiel stehen wir auf, ziehen in vielen fällen kleidung an, von der wir genau wissen das andere lebewesen darunter leiden. wir haben autos, wir fliegen, wir haben unzählige gegenstände in unserem besitz und wir konsumieren fröhlich weiter. die medien-maschinerie predigt uns tag für tag, das wir nur ganz viel konsumieren müssen, dann werden wir glücklich werden. sie zeigt uns den winzig kleinen rahmen des konsumfensters, vergisst dabei aber alle anderen schritte, von der entnahme der rohstoffe bis zu abfall- oder giftmüllentsorgung. der konsum ist ein kleiner schritt in dieser kette.

alles andere bleibt im verborgenen und wird von vielen menschen nicht einmal hinterfragt. wenn ich analysiere, was ich in der umwelt wahrnehmen kann, dann komme ich schnell auf die informationsflut, in der die wichtigen informationen und fakten untergehen und die informationen und fakten in den vordergrund gehoben werden, die bestehende verhältnisse erhalten und stabilisieren.

der abend, an dem ich mit madita so lange und ausführlich über das und noch mehr sprach, war der beginn der entstehung unzähliger gedanken in meinem kopf. aus gedanken begannen sich worte zu formen und zu sätzen zu werden.

ich begann sie für mich selbst auszusprechen: ich kann akzeptieren. ich will akzeptieren können. ich kann mich selbst akzeptieren. ich will mich selbst akzeptieren können. ich akzeptiere mich selbst. ich akzeptiere die anderen menschen, auch die anderen tiere, pflanzen und die anderen dinge. ich kann alles akzeptieren, wenn ich das will.

mal durchlaufe ich diese phasen bewusst und mal durchlaufe ich sie unbewusst. wenn ich sie unbewusst durchlaufe kann es passieren, dass ich die kontrolle verliere. deshalb habe ich beschlossen in zukunft die kontrolle darüber haben zu wollen. Ich will selbst entscheiden, wann ich meine gefühle unkontrolliert sein lassen oder wann ich meine gefühle kontrol-lieren will.

seitdem habe ich den umgang mit dem prozess des akzeptierens erlernt. Akzeptieren ist damit nicht beendet. der kreislauf, der sich vereinfacht in diesen fünf phasen darstellen lässt, beginnt wieder von neuem.

Die fünf Phasen des Annehmens

Schöpfende: Yannick Bennesch und Rebecca Wenk.

Lesezeit circa 13 Minuten.

Weiterentwicklung der „Stages of Grief“ von Elisabeth Kübler-Ross

Jeden Tag werden wir mit unzähligen Reizen konfrontiert, die immer auch Wirkungen auf uns haben. Aus der Fülle der Reize dringt ein beträchtlicher Teil direkt in das Unbewusste, von wo es im Folgenden trotzdem Wirkung entfaltet. So haben wir uns viele Muster angewöhnt, die unsere gegenwärtigen Ziele und Visionen sabotieren. Weil ich einen Film sah, „Collapse“, ein Interview mit Michael Ruppert, dem Gründer und Chefredakteur der Internetplattform „From the Wilderness“. In diesem Interview stieß ich das erste Mal auf Elisabeth Kübler-Ross und das Modell der Sterbephasen. Ich erkannte in diesem Phasenmodell die Möglichkeit, es auf das „Sterben von Charakterzügen oder auch des alten Ichs zu übertragen“ und mich so selbst in dem Prozess des Annehmens strukturiert beobachten und den Prozess auf diese Weise bewusst und selbstständig voranzutreiben und beurteilen zu können. Ich wendete dieses Modell später auf „das Sterben ‚meiner‘ alten, von aussen determinierten Persönlichkeit (Kindheits-Ich)“ an, da ich selbst durch dieses Ich in meinem Potenzial derart stark beschränkt wurde, sodass ich mir selbst vorkam, wie ein Gefangener in ‚meinem‘ Verstand. In unserer Gesellschaft ist es normal, sich für „das Ich“ zu halten und damit das Unbewusste als nicht zugehörig zu betrachten. Deshalb bin ich lange auf der Suche nach einer Methode oder einem Modell gewesen, mit dem ich mir selbst helfen konnte dieses alte Ich anzunehmen, um es in mir selbst zu integrieren.

Aus dem Modell von Elisabeth Kübler-Ross nahm ich lediglich die fünf Phasen „denial“ (Leugnen), „anger“ (Zorn), „bargaining“ (Verhandeln), „depression“ (Trauer) und „acceptance“ (Annahme). Anhand dieser abstrakten Struktur konnte ich selbst wahrnehmen und erkennen, in welchen Phasen ich mich befinde (Selbstbeobachtung) oder befunden habe (Selbstreflektion). So lernte ich den Prozess des Annehmens bewusst zu durchleben und dabei Einfluß auf den Verlauf des Prozesses zu bekommen.

Zu beachten ist bei diesem Modell, dass diese Phasen keineswegs hintereinander ablaufen müssen, sondern in den meisten Fällen von dieser aufeinanderfolgenden Struktur abweichen. Dieses Strukturmodell ist keine Anleitung oder so etwas. Es bietet eine abstrakte Struktur, gewisse Anhaltspunkte, um sich strukturierter selbstbeobachten zu können und die Selbstreflektion zu verbessern. Die Phasen können sich über Jahre hinziehen, wenn sie nicht bewusst wahrgenommen und erkannt werden. Später wird das anhand der Erfahrungen, die ich selbst machte, deutlich. Wir leben in Sprache und damit in dem Verstand, von dem „das Ich“ ein Teil ist. „Das Ich“ ist eine wortsprachliche Konstruktion, die wir Menschen selbst erschaffen haben. Wenn wir ins uns selbst hineinfühlen oder in einen meditativen Zustand gelangen, nehmen wir uns in unserer Vollkommenheit wahr, sodass wir deutlich erkennen können, dass die Vorstellung „des Ich“ nichts weiter ist, als eine aus Aussenreizen hervorgegangene Persönlichkeit, eine Illusion der wir uns selbst hingegeben haben, weil das in unserer Gesellschaft „normal“ ist.

Phase 1 – Nicht-Wahrhaben-Wollen:

In dieser ersten Phase wollte ich nicht wahrhaben, dass ein Wandel bevor steht, der meiner Vorstellung von „meinem Ich“ (mir) an den Kragen geht. Als ich mir bewusst wurde, dass das Ich nur eine Vorstellung ist, reagierte ich erst einmal geschockt. Ich bin in Folge dieser Selbsterkenntnis erst einmal in eine Art „Schockstarre“ oder Ohnmacht gefallen und war vorübergehend vollkommen unbewusst (von gewohnten Mustern) gesteuert.

Gedanken, die mich zu dieser Zeit begleiteten, waren beispiels-weise: „Das kann doch nicht sein.“, „Doch nicht bei mir.“, „Es ist doch alles gut, so wie es ist. Das kann nicht wahr sein.“, „Ich merke doch gar nichts davon, dass das Ich nur eine Vorstellung ist.“ oder im Ausdruck dieser Gedanken, als „Damit habe ich nichts zu tun. Das betrifft mich nicht.“. Das wurde sichtbar, weil ich in dieser Phase versuchte, mich vollständig von „der Aussenwelt“, die ich wahrnahm, abzuspalten. (vgl. Student 2006: 2)

Mich selbst so anzunehmen, wie ich wirklich bin und das Integrieren des Ich in mir selbst begannen in dieser Phase.

Diese erste Phase hat bei mir schon in der Grundschule begonnen, weil ich mich selbst verleugnen musste, um irgendwie hineinzupassen in „die Gesellschaft“. Als Kind mochte ich auch angenommen und geliebt werden. Ich wollte damals auch einfach nur anerkannt werden, aber ich lernte früh, dass ich nicht ich selbst sein durfte, wenn ich dazugehören wollte. Also versuchte ich mir über mehr als zehn Jahre einzureden, dass ich selbst falsch bin.

Ich wollte nicht wahrhaben, was und wer ich selbst wirklich bin, weil ich immer wieder erfuhr, dass ich dann ausgegrenzt würde. Aber ich wurde im Endeffekt trotzdem mehr oder weniger ausgegrenzt. Ich glaube meinen Mitmenschen ist nie bewusst gewesen, was und wie ich wahrgenommen habe, was von ihnen gedacht und gefühlt, gesagt und getan wurde. Ich selbst weiß, dass sie es niemals wahrnahmen, denn ich selbst kann wie ein Chamäleon sein und mich perfekt an die Umwelt „anpassen“ und mich auf diese Art und Weise tarnen.

Phase 2 – Wut, Zorn und Ärger

Diese zweite Phase zeigte sich in Wut, Zorn und Ärger auf diejenige/denjenigen, die/der mich darauf aufmerksam machte. Nicht nur an mir selbst, auch an ihnen ließ ich meine Wut aus. Ich wollte die Schuld auf etwas oder jemanden schieben. Auf die Welt, auf das System, auf die Menschen, doch ich fand dort nichts und niemanden, dem ich die Schuld hätte geben können. „Die Welt“, „das System“ und „die Menschen“ stellten sich bei genauerer Betrachtung als Konstruktionen meines Verstandes dar. Ich stieß bei der bewussten Selbstbeobachtung und Selbstreflektion darauf. Wut, Zorn und Ärger richteten sich zum Ende dieser Phase immer mehr gegen das Ich, von dem ich so lange glaubte, dass wäre ich selbst. Aber ich konnte fühlen, dass das Ich nicht ich selbst war. Ich erkannte irgendwann, dass dieser Widerspruch mich so lange wütend und tief traurig gemacht hatte.

In dieser Phase der Annahme dieser fundamentalen, ersten Selbsterkenntnis, dass das Ich nicht ich selbst bin, war „das Ich“ sehr wütend, der Verstand rebellierte, aber „das Ich“ und „der Verstand“ begannen ihre Herrschaft aufzugeben, da nun „die Zeit reif“ war, sich wieder zu Werkzeugen machen zu lassen. Ich fing langsam an hin- und hergerissen zu sein, ob ich diesen Weg weitergehen sollte oder ob ich mich doch wieder „den anderen“ anschließen sollte. Aber ein tiefes inneres Treiben ließ mich nicht die Augen vor dieser Herausforderung verschließen. Immer wenn ich noch einmal versuchte wegzulaufen, kam alles wie ein Boomerang wieder auf mich zurück.

Phase 3 – Verhandeln

Hin- und hergerissen zwischen mir und mir selbst, begann irgendwann die Phase Verhandelns. Ich wurde kooperativer. Allerdings nicht in Bezug auf gegenwärtig lebende Menschen, sondern zu allererst einmal öffnete ich mich für die Werke längst gestorbener großer Wissenschaftler. Als diese Phase ihren Lauf nahm, hörte ich auf, mich auf „äußeres Wissen“ zu beschränken. Ich hatte über ein 5 Jahre lange so viel „Informationen“ aufgenommen, wie ich konnte, um zu verstehen, wie „die Welt“ funktionierte. Viele eigenartige Ereignisse geschahen in dieser Zeit. Sie wirkten wie Zeichen von Nirgendwo. Es gab keinen Absender. Doch sie gaben mir tiefe Einsichten in die Fundamente, die Paradigmen, die Grundannahmen auf denen die heutigen Wissenschaften stehen. Irgendwann erkannte ich auf diesem Weg, dass ich zu fast 100% von aussen determiniert bin und kaum etwas aus mir selbst hervorgegangen ist. „Das Ich“ verlor immer mehr seinen alles andere überragenden Wert und so konnte ich mich dafür entscheiden, zu mir selbst zu finden.

Phase 4 – Trauern

Diese Phase fing in meinem Fall bereits mit der ersten Phase, der des Nicht-Wahrhaben-Wollens an. Als ich anfing, mich selbst zu verleugnen, konnte ich den entstehenden Wider-spruch nicht verdrängen. Meine Sensibilität, die ein zentraler Bestandteil von mir selbst ist, ließ mir selbst nicht die Möglichkeit davor wegzulaufen. So konnte ich bereits in der Grundschule nicht nur meinen Schulranzen tragen, sondern immer auch den Rucksack voller Sorgen, mit dem ich mich niemandem anvertrauen konnte, weil niemand mich verstand. Ich habe immer so sehr gehofft, dass mir jemand hilft. Doch niemand war da, der mir wirklich helfen konnte, weil alle das gleiche Problem hatten. Es war die größte Herausforderung vor der ich jemals stand.

Zu erkennen, dass ich selbst derjenige sein müsste, der die ersten Schritte in diese Richtung geht, um einer Gesellschaft „der Ichs“ eine Alternative zu einer Seinsweise aufzuzeigen, mit der wir Menschen, die Lebensgrundlage zerstören, mit der wir immer und auch jetzt verbunden sind. Doch „mein Ich“, selbst hatte ich dieses riesengroße Ich, dieses Ego. Ich hatte aus eigenem Willen mein Abitur durchgezogen, nach dem Abitur eine Veranstaltungsagentur für Unternehmensveranstaltungen gegründet und dann auch selbstständig die Entscheidung getroffen, die Teilnahme am Wirtschaftssystem wieder aufzugeben.

Ich habe einige Wochen gebraucht, die ich weitgehend allein mit mir selbst verbrachte, um die Trauer um „das Ich“ zu verarbeiten. Diese Phase kam zu ihrem Ende als ich eine neue Wohnung bezog, nach Jahren das erste Mal ein Zimmer bezog, bei dem ich nicht schon beim Einzug wusste, wann ich wieder ausziehen würde und ein Mensch, den ich für eine Autorität hielt und halte, bestätigte mir, dass es nicht natürlich sei, dass wir Menschen uns hauptsächlich in Wertungen unterhalten und dabei kaum Inhalt übrig bleiben würde. So konnte ich die irgendwo verbliebene Positiv-Bewertung das Ichs wahrnehmen, erkennen und loslassen. Mit dem Loslassen dieser Wertung, trat ich in die fünfte Phase ein.

Phase 5 – Annehmen

Mich anzunehmen, dass war für mich selbst eine ganz neue Erfahrung. Ich konnte mich selbst kaum noch daran erinnern, wie es war als ich ein kleines Kind gewesen bin. Aber die Empfindungen, die mit dem Annehmen einhergingen, sie waren erlösend und sie gaben mir einen ganz neuen Zugang zu meiner Wirklichkeit. Plötzlich hatte ich nicht mehr das Bedürfnis, mich selbst zu verleugnen. Ich konnte keine Wut und keine Trauer mehr wahrnehmen. Als ich diesen ersten bewussten Annahme-Prozess durchlebt habe, widerfuhren mir selbst unvorstellbare Glücksgefühle. Ich fühlte mich selbst über Wochen leicht wie eine Feder. Alles, was ich früher verdrängt und heruntergeschluckt hatte, um bloß nicht zu sehr aufzufallen, traten in dieser Zeit nach und nach wieder zu Tage. Ich selbst konnte wieder mehr und mehr fühlen. Meine hohe Sensibilität traute sich wieder, sich zu zeigen und so kehrte ich langsam immer weiter zu mir selbst zurück. Ich lernte mich selbst noch einmal neu kennen.

Nehme ich mich selbst an und lasse das Ich los, integriere es also in mir selbst, dann öffnen sich die scheinbar undurchlässigen „Grenzen“ des Ich und ich bekam jeden Tag mehr Zugang zu dem Unbewussten. So kommt immer mehr des Unbewussten in das Bewusstsein, dass ich selbst bin und ich selbst erweitere mich Tag für Tag. So habe ich meinen ersten bewussten Prozess des Annehmens erfahren.

Schluss-Satz

Diese fünf Phasen des Annehmens durchlaufen wir alle in unseren Leben unzählige Male. In den meisten Fällen werden Menschen diesen Prozess jedoch unbewusst durchlaufen. Mit diesem Werkzeug, Strukturmodell kannst du nun diesen Prozess bewusst beobachten und so dein Selbstwachstum gestalten.

Literatur:

  • Kübler-Ross, E.: Interviews mit Sterbenden. Kreuz Verlag, Stuttgart 1971

  • Student, J.-C. (Hrsg.): Sterben, Tod und Trauer – Handbuch für Begleitende. 2. Aufl., Herder, Freiburg 2006

Kreislauf des Eingeständnis – eingestehen

Schöpfende: Yannick Bennesch und Rebecca Wenk.

Lesezeit circa 11 Minuten.

Zu diesem Wort schreibt der Duden: (besonders eine Schwäche, einen Fehler) schließlich zugeben, offen aussprechen. Ich gestehe mir meine Fehler und Schwächen ein. Du kannst dir deine Fehler und Schwächen auch eingestehen.

Wir können uns unsere Fehler und Schwächen eingestehen. Wenn wir das tun, dann sind das Eingeständnisse, die uns dabei helfen, über uns hinauszuwachsen.

Warum ist es für viele so schwer, sich eigene Fehler und Schwächen einzugestehen und diese offen auszusprechen?

Ich beobachtete in mir, wie sich diese Prozesse gestalten. Wenn ich einen Fehler machte oder mir einer Schwäche bewusst wurde, spürte ich ein „negatives“, zu vermeidendes Gefühl. Am Anfang habe ich mich deshalb immer wieder von mir abgewendet, denn ich war nicht mutig genug, um meine eigenen Fehler und Schwächen anzunehmen, sie anzuerkennen und sie in mich selbst zu integrieren. Ich reagierte in vielen Fällen mit Verdrängung, womit das Verdrängte in das Unbewusste abrutschte und dort für mich nicht mehr zugänglich war. Da ein Großteil meiner Entscheidungen aus dem Unbewussten heraus gefällt wurde, konnte ich die Folgen meines Handelns nur in einigen Fällen, wenn ich bewusst Entscheidungen getroffen habe, abschätzen. Da wir jeden Tag mit tausenden von Botschaften überflutet werden und nur einen kleinen Teil davon bewusst verarbeiten, ist unser Unbewusstes gefüllt mit Informationen, die sich in der Dynamik unserer Psyche auswirken. Eingestehen ist die Fähigkeit, mutigen Blickes die eigenen Fehler und Schwächen zu beobachten, zu reflektieren und anzunehmen, um sie als mögliche Folge anders zu gestalten. Durch das Eingeständnis wurden mir plötzlich vorher unbewusste Informationen zugänglich und somit veränderbar. Damit ich mir meine Fehler und Schwächen eingestehen kann, ist es notwendig, dass ich mich annehme und ebenso mich selbst als Einheit aus Bewusstsein und Unbewusstem.

Wie kann ich bewusst akzeptieren?

Wie das Akzeptieren abläuft und von mir bewusst gesteuert werden kann, lernte ich durch einen Film namens „Collapse“ kennen, worin Elisabeth Kübler-Ross, eine weltweit bekannte Sterbeforscherin, und ein von ihr entwickeltes Modell, dass den Titel trägt: „The Five Stages of Grief“, angesprochen wird.

Mit diesem Modell ist für mich das Annehmen ganz leicht geworden und je mehr ich übte, desto leichter fiel es mir, ganz einfach und direkt bestimmte Charakterzüge meines „künstlichen (kybernetischen) Ichs“ abzulegen.

Ich entwickelte dieses Modell weiter, um nicht Sterbende und Angehörige beim Akzeptieren des körperlichen Todes zu begleiten, sondern um ganz bewusst und wann ich es möchte Teil meines bewussten Ichs loslassen zu können. Ich habe sehr schnell erkannt, dass ich dieses Modell auf das Sterben oder Gehenlassen oder Annehmen und Loslassen von Charakterzügen, die mich an meiner Selbstentfaltung und Selbstgestaltung hinderten, anwenden kann.

Im Folgenden bestimme ich also die fünf Phasen „Leugnen“, „Zorn“, „Verhandeln“, „Niederdrückung“ und „Annahme“. Darauf folgen dann am Beispiel meines Ichs, wie sich diese Phasen beschreiben lassen.

1. Phase: Leugnen (denial)

Leugnen bedeutet, dass ein Mensch etwas für nicht zutreffend hält oder etwas nicht wahrhaben will und es deshalb für nicht bestehend erklärt.

 

Bsp.: In dieser Phase habe ich versucht, mir schön zu reden, wie es gewesen ist. Ich redete mir ein, dass ich nichts an mir ändern muss und alle anderen falsch liegen, die mich auf meine Makel oder von der anderen Seite Lernpotenziale aufmerksam gemacht haben. Ich habe mich innerlich tief traurig und enttäuscht gefühlt, da mein höheres selbst ganz genau begriff, dass ich mich selber belogen habe. Ich haben zu dieser Zeit meine Fehler und Schwächen verleugnet, weil ich sie nicht als Herausforderungen und unentwickelte Stärken erkannt habe Doch mit einiger Zeit habe ich mich so tief in meine eigene Verleugnung verstrickt, dass es mir immer schlechter gegangen ist. Bis mein eigenes Fühlen immer tiefer werdender innerlicher Traurigkeit und Enttäuschung über meine eigene Sturheit mich in die zweite Phase beförderte.

 

2. Phase: Zorn (anger)

Zorn bedeutet ein scharfes und scheinbar unüberwindbares Gefühl des Unwillens über etwas zu spüren, was ein Mensch als Unrecht wahrnimmt und den Wünschen des Ich oder Verstands entgegensteht. „Der Kopf sagt NEIN.“ Ein zorniger Mensch ist gefangen in den selber konstruierten Richtlinien und Vorstellungen. Zudem ist ein solcher Mensch vom Beginn bis zur Mitte dieser Phase völlig uneinsichtig und neigt zu Selbstzerstörung, womit ein zorniger Mensch immer auch seine Mitmenschen und Mitwelt in Mitleidenschaft zieht, was zu einem wachsenden schlechten Gewissen führt. Doch dieses will ein Mensch, der sich in dieser zweiten Phase befindet, keinesfalls wahr haben.

Beispiel: Irgendwann ging es mir so dreckig, dass ich nicht mehr nur noch traurig und enttäuscht war, sondern innerlich wütend und zornig wurde. Ich konsumierte Substanzen, um mich dumpf zu machen. Aber im Verlauf dieser Phase ist mir immer nur noch beschissener gegangen, bis ich mich in Phase drei eintreten ließ.

3. Phase: Verhandeln (bargaining)

Verhandeln bedeutet zu beginnen mit sich in einen inneren Dialog einzutreten und mir selber Fragen zu stellen, ob ein Mensch mit ihrer/seiner bisherigen Meinung nicht möglicherweise doch in eine Sackgasse geraten ist. Nun ist der innere Druck durch Phase zwei so groß geworden, dass das Kartenhaus kurz vor dem Zusammenstoss steht. Also beginnt sich die innere Gedankenspirale zu drehen. Ein Mensch, der sich in Phase drei befindet, probiert unterschiedliche Betrachtungsweisen durch, um so zu hinterfragen, ob die gewohnten Richtlinien und Vorstellungen, an denen dieser Mensch bis dahin wie verrückt festgehalten hat, möglicherweise doch zu überdenken und zu überwerfen seien.

Bsp.: Als sich dann eine Frau aus meinem Leben verabschiedete, erreichte ich langsam aber sicher meinen Tiefpunkt. Ich isolierte mich mehr und mehr von der Aussenwelt und las eine Studie nach der anderen, über den Zustand unserer Umwelt. Ich wurde immer trauriger und zog mich immer mehr zurück. Ich stand in einem ständigen Spannungsverhältnis zwischen Ich und Ich selbst. Ich verhandelte mit mir selbst. Mir wurde immer mehr der Widerspruch klar, in dem ich selbst zu dieser Zeit lebte. Doch nach aussen hin, konnte ich immer noch meine Maske tragen, hinter die niemand in der Lage war zu schauen, bei dem ich nicht wollte, dass ich selbst sichtbar werde.

 

4. Phase: Depression – Niederdrückung (depression)

Depression ist das Fachwort für Niederdrückung, Senkung. Niederdrückung, Senkung bedeutet, sich mit Hilfe der eigenen Gefühle und Gedanken kleiner zu machen als ein Mensch es in Wirklichkeit ist. Die Liebe zu sich selbst ist Auslöser für diese tiefe Niederdrückung des Ich mit seinen überholten Richtlinien und Vorstellungen, an das es sich geklammert hat. Diese Traurigkeits-Energie braucht ein Mensch, um auch in die letzte Phase eintreten zu können. Mit der Zeit der Niederdrückung, Senkung wird ein Mensch/Ich immer und immer kleiner, bis dieser Mensch die nächste Stufe des Eingestehens-Vorgangs einleitet.

Beispiel: Mit den Semesterferien im Frühjahr 2013 kam die Depression an einen so tiefen Punkt, dass sie sich plötzlich auflöste und ich wieder das Licht erblicken konnte. Zum Ende der Semesterferien hatten wir (ich und meine Mitbewohner) wieder eine gemeinsame Wohngemeinschaft. Hier ist endlich wieder ein Raum für mich gewesen, in dem ich Zeit und Ruhe mit mir selber gehabt habe, um mich mit der Überwindung meiner alten Ich-Strukturen auseinanderzusetzen.

 

5. Phase: Akzeptanz – Annahme (acceptance)

Akzeptanz ist das Fachwort für Annahme. Annehmen bedeutet aus der eigenen Liebe heraus, eine eigene Wahrnehmung zu verinnerlichen. Annehmen ist die Grundvoraussetzung dafür, etwas loslassen zu können. Dafür braucht es Vergebung und dies nicht einem anderen gegenüber, sondern sich selbst.

Bsp.: Als wir Anfang April in unsere WG gezogen sind und ich das erste Mal nach Jahren wieder ein Zimmer bewohnte, in dem ich mich ausbreiten konnte, weil ich nicht schon beim Einzug wusste, wann ich wieder ausziehen würde. Diese Erfahrung, mein eigenes Zimmer ganz allein zu gestalten. Das war schön und machte mir sehr viel Freude. Damit einher ging dieser Prozess des Akzeptieren auf sein Ende zu. Ich konnte mir an einem gewissen Punkt verzeihen. Immer mehr wurde ich mir selbst bewusst, dass ich selbst meine künstlichen Ich-Strukturen auflösen möchte. Ich begann zu verstehen, was ich bereist lange begriffen hatte. Mein Gefängnis bin ich. Ich konnte mit mir selbst nun Frieden schließen. Wir hatten uns voneinander getrennt, aber wir entschieden uns an dieser Stelle uns wieder miteinander verbunden zu denken. Mit dem „Ende“ dieses Zyklus hatte ich ein Instrument entwickelt, mit dem es möglich ist, den eigenen Annehmensvorgangs bewusst zu beobachten und bewusst zu gestalten.

Der Beispiel-Vorgang

In den Beispielen beschreibe ich den Vorgang des Annehmens, den ich, nachdem ich den oben genannten Film („Collapse) mehrfach gesehen hatte und mir daraufhin Bücher und Artikel von Elisabeth Kübler-Ross aus der Universtitäts-Bibliothek und dem Intranet meiner Universität besorgt hatte, endlich nicht nur begriff, sondern auch verstanden habe. Von da an war ich mein eigener Meister dieses Vorgangs und ich konnte ihn bewusst durchlaufen. Und das habe ich seitdem immer und immer wieder mit unterschiedlichsten Aspekten meines Ichs durchlaufen. Auf diese Weise habe ich plötzlich meine eigene Bewusstseinsentwicklung und stetige, weitere Differenzierung bewusst in selbst in Hand nehmen können und bin ab diesem Zeitpunkt nicht mehr auf Impulse aus meiner Um- bzw. Mitwelt angewiesen gewesen. Und ich wollte raus und weg aus meinem fast ein Jahrzehnt andauernden Depressions-Zustand. Ich wollte endlich glücklich sein. Und so machte ich mich auf meinen Weg zu mir selbst, wo ich nur noch Liebe gefunden habe, die hin und wieder von Angst verdeckt ist. Sie hält mich dann wieder von etwas zurück und dann merke ich das und durchlaufe bewusst diesen Kreislauf des Eingestehens erneut und das einfach in meinem Geist. So habe ich mich, was das Annehmen angeht, von Raum und Zeit ablösen können.

Diese Anleitung schenke ich dir, euch und uns allen, weil ich sie für sehr nützlich halte. Sie hat schlicht und einfach meinem Leben einen ganz neuen „Drive“ gegeben.

Unendliche und ewige Liebe für dich. Nach dem Lesen mach dir ein Lied oder ein Set an, möglichst ohne Gesang und dann lass sacken.