Weil mir jahrelang alles scheißegal war!

Ich heiße Yannick. Ich lebe seit fast 29 Jahren. Ich bin am Sonntag, den 20. März 1988 geboren. In meiner Geburtsurkunde steht, dass ich um 05:50 Uhr zur Welt gekommen bin. Dieser Tag war Frühlingsanfang, also Tag-und-Nacht-Gleiche. Ich bin als einer der letzten Fische ins Licht der Welt gerutscht. 1988, Schaltjahr mit 366 Tagen, in der 11. Kalenderwoche, am 80.ten Tag des Jahres.

Aufgewachsen bin ich in einer deutschen Mittelstandsfamilie. Mit anderen Worten: es gab zuhause nie zu wenig Geld, aber eben auch niemals zu viel. Trotzdem ist mein Lebensweg nicht gerade der Geradlinige.

Als ich zur Welt kam, hatte ich die Nabelschnur um den Hals gewickelt, wobei ich mich fast selbst erdrosselt hätte. Die darauffolgenden Untersuchungen meines Gesundheits-zustandes wiesen keine Anomalien auf. Der Sauerstoffmangel hatte keine Schäden herbeigeführt. So startete ich mit einer ersten Begegnung mit dem Tod in mein neues Leben ausserhalb von Mamas Bauch.

Mit knapp zwei Jahren bin ich mit meinen Eltern in ein Einfamilienhaus in eine alte Arbeiter-Wohnsiedlung am östlichen Rand von Hamburg gezogen. Während des Hausbaus, bei dem mein Vater zahlreiche Arbeiten selbst erledigte, zog er sich einen Bandscheibenvorfall zu, der sich nach einer Operation entzündete. Dadurch zog ich mit meiner Mutter allein in das neue Zuhause. Meine Mutter fühlte sich in dem großen, neuen Haus so ganz allein nicht so recht wohl. Für mich resultierte aus der andauernden Abwesenheit meines Vaters ein  fundamentaler Bruch in meinem Ur-Vertrauen, was mir jedoch erst über 20 Jahre später zu Bewusstsein kam.

Als ich drei Jahre jung war, zog ich mir im Kindergarten eine, für meine Größe, große Platzwunde zu. Ich spielte mit den anderen Kindern auf einem Kettler-Klettergerüst, welches sich aus der Verankerung löste und kippte. Ich sprang/fiel vom Klettergerüst und durch die Verlagerung des Schwerpunkts, kam daraufhin das Klettergerüst wieder zurück in seine Ausgangsposition. Doch zu meinem Unglück lag ich an der Stelle, wo das eine Rohr des Gerüsts niederging. Das offene Rohrende traf mich an der Stirn. Nachdem diese Wunde wieder weitgehend verheilt war, ich war mit meinen Eltern am Gardasee, schaukelte ich auf der Kette eines Bootsanlegers und verlor das Gleichgewicht. Ich knallte mit dem Hinterkopf auf das Rost des Anlegers und zog mir dieses Mal eine Platzwunde am Hinterkopf zu, die in einem italienischen Krankenhaus, ohne Betäubung genäht wurde.

1992 wurde mein kleiner Bruder geboren und damit einher ging für mich das Gefühl, meine Mutter nicht mehr für mich zu haben. 1993 kam ich in die Vorschule und 1994 in die erste Klasse. Meine Eltern entschieden sich dazu, mich in eine Integrationsklasse zu stecken. Dort hatten wir vier Lehrer, die sich jeweils um fünf Schüler kümmerten. Ich kam in die Gruppe zu Herrn Eggers, unserem einzigen Lehrer. Als dann das dritte Schuljahr begann, wurden die Regeln angezogen. Still sitzen, leise sein, Aufgaben machen und immer schön das tun, was die Lehrerinnen und Lehrer sagten. Zu dieser Zeit begann für mich die dunkle Phase meines Lebens.

Zum Einen waren Regeln und Autoritäten irgendwie nichts für mich und zum Anderen fiel es mir sehr schwer mich mit meinen männlichen Artgenossen zu identifizieren. Sie spielten Fussball oder mit Spielzeug-Autos in der Sandkiste und Mädchen waren für sie „Bäh“. Ich hingegen interessierte mich bereits für Mädchen und hatte mich zudem zum ersten Mal verliebt. Meine erste große Liebe Kati. Sie machte Geräte-Turnen und so kam ich schließlich auch zum Geräte-Turnen. Das waren die lichten Stunden der Woche. Ich war einer der wenigen Jungen, denn die anderen Jungs hatten natürlich kein Boden-Turnen, Reck-Turnen, Stufen-Barren-Turnen oder Pferd und Trampolin springen im Sinn. Nach kurzer Zeit durften Kati und ich nicht nur bei den Kleinen (mit uns ungefähr Gleichaltrigen) mitturnen, sondern auch bei den großen Mädchen mitturnen. Zum Ende der vierten Klasse stand der Schulwechsel auf eine weiterführende Schule an. Fast meine gesamte Klasse wechselte geschlossen auf eine Gesamtschule. Ich wechselte mit vier anderen Schülerinnen und Schülern auf ein Gymnasium, wo wir uns jedoch auf drei Klassen verteilten.

Ausserhalb der Schulzeit hatte ich den größeren Teil meiner Freundschaften mit Menschen, die bereits ein paar Jahre älter waren und nicht mit mir in die gleiche Klasse gingen. Die ersten Jahre auf dem Gymnasium hatte ich noch sporadischen Kontakt zu Mitschülern. Mit den älteren Jungs begann ich zu kiffen. Das erste Mal dürfte ich nicht viel älter als zehn gewesen sein. Mit meinem Nachbarn geriet ich an eine Gruppe von arbeits- und perspektivlosen Jungs, die rauchten, soffen und kifften. Wir wollten dazu gehören, also haben wir mitgemacht. Wir mussten Mutproben machen, damit wir uns „beweisen“ würden. Weil wir dazu gehören wollten, waren wir bereit all das mitzumachen. Dazu gehörte beispielsweise, dass sie uns auf dem Bolzplatz ins Tor stellten, uns von links und rechts an den Armen festhielten und einer mit Vollspann und einem Lederball auf uns schoss. Einmal waren wir dabei, wie sich einige von den Jungs mächtig stritten, bis plötzlich einer eine Gasknarre zog und aus knapp einem Meter Entfernung auf einen anderen schoss. Das war eine verrückte Erfahrung.

In dieser Zeit habe ich mir mit meinem Nachbarn Taktiken überlegt, wie wir es schaffen konnten, auch nachts mit ihnen rumzuhängen. Dazu überredeten er seine Mutter und ich meine Eltern, dass wir im Garten zelten durften. So waren wir nachts mehr oder weniger frei zu tun, was wir wollten und konnten mit den großen Jungs in einem Keller herumhängen, wo sie eine Bong stehen hatten. Das ergab eine weitere Mutprobe, nämlich einen ganzen Bong-Kopf auf Lunge zu ziehen. Wir taten es. Schon zu dieser Zeit wurde rauchen eher zu einem Nebenbei. Mit dem richtigen Rauchen fingen wir, indem wir zogen und dann sagten: „Hah! Meine Mutter kommt.“ und Zack, war der Qualm bis in die Lunge hineingezogen. Am Anfang husteten wir natürlich noch, das legte sich aber schnell. Da die Jungs kifften und darunter auch welche waren, die mit Gras handelten, wurden wir „eingestellt“, manchmal kleinere Lieferungen von A nach B zu transportieren. So lernte ich schnell über dieses Geschäft und ebenso, dass man damit Geld verdienen könnte. Auch lernte ich denjenigen kennen, von dem die großen Jungs ihr Gras kauften. Nach einiger Zeit machten wir uns diese Verbindung zu nutze und liehen uns von ihm etwas mehr Gras und fingen an, den Großen das Gras zu verkaufen, um unseren eigenen Konsum zu finanzieren. Zu dieser Zeit habe ich auch, und das bereue ich heute, meinen Eltern eine ganze Menge Geld aus dem Portmonnaie geklaut. Mein Nachbar tat das Gleiche bei seiner Mutter.

Einmal, daran erinnere ich mich noch gut, waren wir in Bergedorf am Schillerufer, wo auf einer Rasenfläche im Sommer immer viele Kiffer herumhingen. Manchmal, wir waren ja noch relativ jung, verkauften wir auch etwas an andere Gleichaltrige. Dies wurde uns damals einmal zum Verhängnis, als wir dem kleinen Bruder von einem russischen Großdealer Gras verkauften. Er suchte uns daraufhin, fand uns und haute meinem Nachbarn kräftig eine rein. Was soll’s. Gewalt war ja nichts Neues mehr für uns.

Dann kam der 11. September 2001, was für mich ein prägendes Ereignis war. Zu dieser Zeit hatte ich noch keinen eigenen Computer, also war ich auf Informationen aus Zeitungen und Fernsehen gebunden. An dem Tag des Anschlags saß ich den ganzen Nachmittag vor dem Fernseher und verfolgte die Berichte. Auf einem englischen Sender sah ich ein Interview einer Reporterin. Sie sprach über den Zusammenbruch eines weiteren Gebäudes, des WTC 7 und plötzlich konnte ich in ihrem Hintergrund ein Gebäude in sich zusammenfallen sehen. Das war abgefahren, dachte ich damals schon. Sie schien schon von dem Zusammenbruch gewusst zu haben, bevor er geschah. War sie eine Hellseherin. Nein, an so etwas glaubte ich damals noch nicht. Aber sie wusste davon. Das war für mich schockierend und hat mein Vertrauen in unsere ach-so-demokratischen Institutionen und angeblich objektiven Medien nachhaltig beeinflusst.

Mit ungefähr 13 Jahren lernte ich dann auch über das Gymnasium einen anderen Jungen kennen, der mehr oder weniger von seinen Eltern vernachlässigt aufwuchs und bereits auf ähnlichen Abwegen unterwegs war, wie wir. Er war eine Klasse über mir und mit ihm konnte ich mehr anfangen als mit meinen gleichaltrigen Klassenkameraden.

Mit ihm begann zuerst illegaler Kleinkram. Einbrechen in Gartenlauben und Schrebergärten, Fahrräder klauen und Teile verkaufen und dann das Dealen mit Gras und Amphetaminen. Konsum illegaler Substanzen gehörte ja längst schon zum Alltag und ist deshalb nicht mehr extra erwähnenswert. In dieser Zeit lernte ich auch noch einige Menschen kennen, die leidenschaftlich gern Pilze und LSD konsumierten und mir anboten mal mitzumachen. Ich war dabei. Bei meinen ersten Trips war ich zwischen 15 und 16 Jahren jung.

Zu dieser Zeit, genauer gesagt zu meinem 15.ten Geburtstag bekam ich meinen ersten eigenen Computer mit einem Internetanschluss. Das war ein Gefühl der Befreiung. Endlich nicht mehr auf den Kram angewiesen zu sein, den Zeitungen und Fernsehen kommunizierten und so begann meine lange Suche nach Antworten, die Mainstream-Medien nicht im Stande waren zu geben. Zumindest nicht solch glaubwürdige Antworten, wie ich sie damals gebraucht hätte, damit sie ihre Glaubwürdigkeit nach dem Beitrag zum WTC 7 wieder hätten herstellen können. Im Internet fand ich unzählige Informationen zu den Anschlägen des 11. September 2001, doch die zeigten zwei sich ganz deutlich unterscheidende Geschichten. Die eine Story, nämlich die der Mainstream-Medien war immer die gleiche. Und was noch erstaunlicher war, durch das Internet konnte ich die Medien miteinander vergleichen und so wurde ich Beobachter einer Angleichung der Aussagen quer durch die Medien und rund um die Erde. Es sah aus wie eine Gleichschaltung. Im zweiten Teil von „That’s my life“ werde ich darauf noch einmal zurückkommen.

Dazu gesellte sich dann noch das Schwänzen, bis ich in der zehnten Klasse mit ein paar Tütchen Gras und einer durchgebohrten Gas-Pistole in der Schule erwischt wurde, weil eine Mitschülerin etwas mitbekommen hatte und es lustig fand, sie in der kleinen Pause aus meinem Rucksack zu holen und damit im Klassenraum herumzufuchteln. Daraufhin riet mir mein damaliger Schulleiter, dass ich mir doch besser nach dem Realschulabschluss eine neue Schule suchen sollte, wenn ich denn noch mein Abitur machen wollte. Damit war ich besser weggekommen als ich es mir hätte erträumen lassen. Also fragte ich ihn, ob er mir drei Wochen zum Überlegen und Suchen einer neuen Schule frei geben würde, was er bejahte. Also war ich von da an vorübergehend freigestellt.

[Im nächsten Teil von „That’s my life“ werde ich hier wieder ansetzen und die Zeit von 2004 bis zu meinem Abitur 2008]

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